Commerzbank wird Drama-Queen

Commerzbank-Hochhaus. Text: Drama Queen

Update Mai 2026: Die UniCredit hat ein Übernahmeangebot für die Commerzbank veröffentlicht.

Informationen zu UniCredit vs Commerzbank

Überblick: Stand der Übernahmepläne im April 2026

Die geplante Übernahme der Commerzbank durch die UniCredit sorgt für Gesprächsstoff weit über Frankfurter Bankenviertel hinaus. Im Frühjahr 2026 hat sich der Konflikt noch einmal deutlich verschärft: Ein konkretes Angebot liegt vor, doch die Fronten zwischen den Beteiligten bleiben verhärtet.

Das Übernahmeangebot von UniCredit

Im März 2026 legte UniCredit ein öffentliches Übernahmeangebot vor. Dieses basiert auf einem Aktientausch, bei dem Aktionäre der Commerzbank Anteile an UniCredit erhalten sollen. Der angebotene Gegenwert lag bei rund 30,80 Euro je Aktie.

Marktbeobachter bewerten das Angebot überwiegend als wenig attraktiv, da es kaum eine signifikante Übernahmeprämie beinhaltet. Auch aus Sicht der Commerzbank reflektiert die Offerte nicht das langfristige Potenzial des Instituts.

Parallel dazu hat UniCredit ihre Beteiligung an der Commerzbank bereits auf einen Anteil knapp unterhalb der 30-Prozent-Schwelle ausgebaut, um ihren strategischen Einfluss zu stärken.

Die 30-Prozent-Schwelle

Die 30-Prozent-Schwelle ist im deutschen Übernahmerecht (Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz – WpÜG) von zentraler Bedeutung. Sobald ein Investor 30 Prozent oder mehr der Stimmrechte an einer Bank (oder einem anderen Unternehmen) hält, ist er nach § 29 WpÜG verpflichtet, ein Pflichtangebot an alle übrigen Aktionäre abzugeben. Das bedeutet, er muss anbieten, auch die restlichen Aktien zu kaufen.

Ablehnung durch die Commerzbank

Die Commerzbank lehnt das Angebot weiterhin entschieden ab. Das Management sieht keinen überzeugenden wirtschaftlichen Vorteil und kritisiert insbesondere fehlende Klarheit über Integrationspläne und Synergien.

Zudem bemängelt die Commerzbank, dass die UniCredit weder die strategische Perspektive noch die finanziellen Konditionen ausgearbeitet hätte.

Strategie der Eigenständigkeit

Statt einer Fusion setzt die Commerzbank auf Eigenständigkeit. Das Institut plant, seine Finanzziele im Laufe des Jahres 2026 anzuheben.

Politischer Widerstand in Deutschland

Die Bundesregierung betrachtet die Commerzbank als systemrelevantes Institut und sieht eine Kontrolle durch die Mailänder Großbank kritisch.

Das Vorgehen von UniCredit wurde in politischen Kreisen teilweise als feindlich eingestuft. Auch Arbeitnehmervertreter warnen vor möglichen Arbeitsplatzverlusten im Zuge einer Integration.

Italiens Golden Power-Regelung

Ein Gedankenspiel: Theoretisch könnte die UniCredit ihren Hauptsitz nach Frankfurt verlegen, um die Bedenken der Commerzbank zu zerstreuen. Aber da würde wohl die italinische Regierung eingreifen. Private Banken werden in Italien nämlich durch die sogannte Golden Power reguliert. Die italienische Regierung kann Auflagen für Übernahmen machen, ein Veto einlegen oder Fusionen mit einer Hinhaltetaktik durch ewiges Prüfverfahren verzögern.

Beeinträchtigung des freien Kapitalverkehrs

Italien betreibt also Protektionismus und ist hierbei auch schon mit der EU in Konflikt geraten. Die Befugnisse der italienischeh Regierung, so die Verwürfe der EU-Kommission, könnten den freien Kapitalverkehr beeinträchtigen.

Nationale Interessen versus europäische Integration

Der Übernahmepoker verdeutlicht ein grundlegendes Spannungsfeld im europäischen Bankensektor: Während auf EU-Ebene grenzüberschreitende Fusionen gefördert werden, verfolgen nationale Regierungen weiterhin eigene industriepolitische Interessen.

Entscheidung weiter offen

Im April 2026 ist eine Einigung nicht in Sicht. Streitpunkte bleiben:

  • Die Bewertung der Commerzbank
  • Die strategische Ausrichtung eines möglichen Zusammenschlusses
  • Die politische Zustimmung in Deutschland und Italien

UniCredit dürfte versuchen, den Druck zu erhöhen – etwa durch eine Anpassung des Angebots oder eine weitere Aufstockung ihrer Beteiligung.

Die Commerzbank hingegen hält an ihrer Eigenständigkeit fest. Damit bleibt der Ausgang offen, und der Fall entwickelt sich zu einem Machtkampf zwischen Unternehmen, Investoren und Politik.

Die Commerzbank ist zwar nur die zweitgrößte deutsche Geschäftsbank, steht aber in einem anderen Wettbewerb ganz oben auf der Siegertreppe: dem Drama-Queen-Contest. Sie will mitmachen, aber immer passt ihr irgendwas nicht. Sie zickt und zögert, sie schlägt Purzelbäume und spielt Verstecken.

Die Commerzbank und die EPI

Zur Erinnerung: Die Commerzbank war Gründungsmitglied der European Payments Initiative (EPI), also die Initiative hinter Wero. Im Jahr 2022 hat sie dann kalte Füße bekommen und ist aus der Bankeninitiative wieder ausgestiegen.

Das neue Wero-Wendemanöver verkündete jetzt Commerzbank-CEO Bettina Orlopp auf der Bilanz-Pressekonferenz: Das Wero-Projekt wird jetzt doch wieder für würdig befunden und die Commerzbank will wieder am Spiel teilnehmen. Aber nicht auf dem Spielfeld, sonder auf der Ersatzbank. Im Klartext: Ohne EPI-Migliedschaft.

Commerzbank auf der Ersatzbank

Ist die Commerzbank jetzt wieder dabei? Ja, aber nur ein bisschen, nicht als EPI-Gesellschafterin, sondern im Stand-by-Modus. Sie möchte Nutznießerin der Wero-Infrastruktur werden, sobald die ersten Tore im Spiel gegen Paypal gefallen sind. Aber aktuell will die Drama-Bank am Spielfeldrand stehen und beobachten, was die Wero-Stürmer da so treiben und wie es denen dabei geht

EPI trotzdem happy

Für die EPI ist der Commerzbank-Deal trotz dem etwas zaghaften Bekenntnis ein wichtiger Schritt, denn jetzt wird es für die noch verbliebenen Wero-Verweigerer langsam eng. Je länger sie warten, desto weiter schwimmen ihre Felle davon.

Hier geht es zur Wero Wero-Bankenliste Deutschland.

Bleibt die Commerzbank stabil?

Auf der Website der Commerzbank ist immer noch folgende Begründung zum Wero-Ausstieg zu finden:

„Die Commerzbank zählte zu den Gründungsmitgliedern von EPI – der European Payments Initiative –, da wir überzeugt sind, dass eine einheitliche, paneuropäische Bezahllösung große Mehrwerte für unsere Kunden bieten könnte. Als der regionale Scope von EPI substanziell reduziert wurde, standen Investitionen und Nutzen nicht mehr im richtigen Verhältnis.

“Quelle:Interview mit Simone Löfgen (12.6.2025)

Der Stand im Februar 2026: Für den „regionalen Scope“ ist seit dem Big Deal der EPI mit Bizum (Spanien), SIBS (Portugal), Bancomat (Italien) und Vipps (Skandinavien) gesorgt, die Integration der nationalen und regionalen Zahlungsarten in das Wero-System schreitet voran. Bleibt zu hoffen, dass es sich die Commerzbank nicht doch wieder anders überlegt.

Hausaufgabe: Wero in die App

Hausaufgabe der Commerzbank ist es jetzt, eine userfreundliche Wero-Funktion in die eigene Banking-App zu integrieren. Über den Erfolg dieser App darf sich dann auch die EPI freuen. Wenn sich die Wero-Funktion nämlich bei den Kundinnnen und Kunden erst einmal etabliert hat, kann und wird die Commerzbank nicht so schnell wieder das Handtuch werfen.

Geld ist bei der Commerzbank reichlich vorhanden

Die Finanzwelt hat lange darüber spekuliert, ob sich die Commerzbank deshalb windet, weil sie noch ihre Wunden lecken muss – nach ihrem Engagement für die beiden gescheiterten Wero-Vorgänger Paydirekt und Giropay.

Woran scheiterte Paydirekt?
  • Später Markteintritt
    Paydirekt wurde 2014 von deutschen Banken und Sparkassen ins Leben gerufen, um einen eigenen, sicheren Zahlungsdienst als Konkurrenz zu PayPal zu schaffen. Allerdings konnte Paydirekt nie richtig Fuß fassen. Als Paydirekt 2015 live ging, war PayPal bereits im Markt verankert. Millionen Deutsche nutzten es regelmäßig, viele Händler hatten es fest integriert. Paydirekt kam zu spät, um noch als ernsthafte Alternative wahrgenommen zu werden.
  • Komplizierte Registrierung
    Im Gegensatz zu PayPal war die Nutzerregistrierung bei Paydirekt umständlich. Kunden mussten sich über ihre Bank oder Sparkasse registrieren, was von Institut zu Institut unterschiedlich funktionierte. Das sorgte für Verwirrung und Abbrüche bei der Anmeldung.
  • Ländergrenzen
    Paydirekt, Kwitt und Giropay waren rein deutsche Zahlungsmethoden.
  • Händler waren Bittsteller, keine Partner
    Für Händler war die Integration von Paydirekt technisch aufwendiger und teurer. Für die Integration von Paydirekt mit den weit verbreiteten Shopsystemen WooCommerce und Shopware wurden keine kostenloses Plugins zur Verfügung gestellt. Paydirekt-Händler, sofern es sie überhaupt gab, waren auf teure und wenig verbreitete Module des Anbieters sellxed angewiesen. Dort ist nun zu lesen: „Dieses Modul wurde eingestellt.“ Für unabhängige Händler fehlte jeglicher technische oder finanzielle Anreiz, Paydirekt anzubieten. Und auch die großen Plattformen wie Amazon, eBay und Etsy zeigten kein Interesse.
  • Mangelnde Innovation
    Paydirekt konnte keine Alleinstellungsmerkmale bieten. Technisch und funktional hinkte der Dienst hinter PayPal, Klarna oder Apple Pay hinterher.
  • Zerstrittene Banken
    Paydirekt, ein Gemeinschaftsprojekt der deutschen Banken, war von internen Interessenkonflikten überschattet. Jede Bank verfolgte eigene Strategien und einige starteten sogar Konkurrenzprodukte zu Paydirekt.
  • Kaum Marketing
    Die Markenbekanntheit von Paydirekt war gering. Viele Kunden wussten nicht, dass es den Dienst gibt – oder verwechselten ihn mit Giropay, Sofortüberweisung oder anderen Anbietern.
Woran scheiterte Giropay?
  • Später Markteintritt
    Wie auch Paydirekt kam Giropay auf den Markt, als PayPal bereits verankert war.
  • Zu wenig Schnittstellen
    Doch auch Giropay hatte zu wenig kostenlose und unkomplizierte Schnittstellen zu WooCommerce und anderen Shopsystemen.
  • Ländergrenzen
    Auch Giropay ware eine rein deutsche Zahlungsmethode.
  • Händler waren Bittsteller, keine Partner
    Wie schon bei Paydirekt: Kein Entgegenkommen zu den Händlern.
  • Mangelnde Innovation
    Wie bei Paydirekt: keine Alleinstellungsmerkmale.
  • Zerstrittene Banken
    Wie bei Paydirekt: Jede Bank verfolgte eigene Strategien, einige starteten sogar Konkurrenzprodukte zu Paydirekt.
  • Kaum Marketing
    Die Markenbekanntheit von Giropay war so gering wie bei Giropay.

Jetzt haben sich die Rahmenbedingungen allerdings geändert. Nicht nur das Wero-Projekt nimmt Fahrt auf, auch die Commerzbank ist gut im Geschäft. Ein Blick auf die Jahresbilanz 2025 zeigt: Geld ist reichlich vorhanden, die Commerzbank feiert Rekordergebnisse:

  • Operatives Ergebnis im Geschäftsjahr 2025 um 18 % auf 4,5 Mrd. Euro gesteigert
  • Nettoergebnis bei 2,6 Mrd. Euro – trotz Restrukturierungsaufwendungen von 562 Mio. Euro
  • Erträge um 10 % auf 12,2 Mrd. Euro erhöht – Firmenkunden-Kreditvolumen um 10 % gesteigert
  • Provisionsüberschuss wie angestrebt deutlich um 7 % auf 4 Mrd. Euro gewachsen
  • Zinsüberschuss trotz gesunkener Leitzinsen mit 8,2 Mrd. Euro nahezu auf hohem Niveau des Vorjahres
  • Cost-Income-Ratio um 2 Prozentpunkte auf Jahresziel von 57 % verbessert
  • Stabiles Risikoergebnis von minus 722 Mio. Euro – NPE-Ratio unverändert bei 1,1 %
  • Nettoeigenkapitalrendite mit 8,7 % deutlich über Ziel – vor Restrukturierungsaufwendungen bei 10,0 %
  • Kapitalrückgabe für 2025 um knapp 1 Mrd. Euro auf 2,7 Mrd. Euro erhöht – deutlich erhöhte Dividende von 1,10 Euro je Aktie (2024: 0,65 Euro) geplant
  • Ausblick 2026: Nettoergebnis über ursprünglichem Ziel von 3,2 Mrd. Euro erwartet

Quelle: Commerzbank