Shopify vs Paypal, Stripe, Wero

Shopify-Männchen weist Stripe, Paypal und Wero zurück.

Shopify bringt Bewegung in den Payment-Markt. Das SaaS-Shopsystem Shopify wird zum PSP, zum Payment Service Provider. Wie das Handelsblatt meldet, hat Shopify in den USA Lizenzen als Money Transmitter beantragt und greift damit die etablierten Zahlungsdienstleister Paypal und Stripe an.

Die Shopify-Strategie

Das kanadische Unternehmen baut damit seine Rolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Onlinehandel aus. Was Shopify will: Händlern eine vollständig integrierte Plattform bieten, also nicht nur die technische Infrastruktur für Onlineshops bereitstellen, sondern auch die Zahlungsabwicklung komplett übernehmen. Statt lediglich als Softwareanbieter zu agieren, wird Shopify zu einem Vollanbieter inklusive Payment Service Provider.

Die Unternehmensgeschichte von Shopify

Das kanadische Unternehmen Shopify wurde 2006 von Tobias Lütke, Daniel Weinand und Scott Lake gegründet. Ausgangspunkt war ein eigenes Onlinegeschäft für Snowboardausrüstung, das unter dem Namen „Snowdevil“ betrieben wurde. Da die verfügbaren E-Commerce-Lösungen den Anforderungen nicht genügten, entwickelte das Team eine eigene Software zur Erstellung und Verwaltung von Onlineshops.

Aus dieser internen Lösung entstand schließlich Shopify als eigenständige Plattform, die es Dritten ermöglichen sollte, ohne tiefgehende technische Kenntnisse eigene Onlinegeschäfte aufzubauen.

Aufbau der Plattform und frühes Wachstum

In den ersten Jahren konzentrierte sich Shopify auf die Weiterentwicklung seiner Software-as-a-Service-Plattform. Ziel war es, kleinen und mittleren Unternehmen einen einfachen Zugang zum Onlinehandel zu ermöglichen. Die Plattform bot Funktionen wie Produktverwaltung, Zahlungsabwicklung und Designvorlagen.

Ein wesentliches Merkmal war die Bereitstellung einer skalierbaren Infrastruktur, die mit dem Wachstum der Händler Schritt halten konnte. Shopify gewann rasch an Popularität, insbesondere bei unabhängigen Händlern und Start-ups.

Börsengang und Internationalisierung

2015 ging Shopify an die Börse und wurde an der New York Stock Exchange sowie an der Toronto Stock Exchange notiert. Der Börsengang markierte einen wichtigen Schritt in der Unternehmensentwicklung und verschaffte zusätzliche Mittel für Expansion und Innovation.

In den folgenden Jahren weitete Shopify seine internationale Präsenz aus und erschloss neue Märkte. Gleichzeitig wurde das Partner-Ökosystem aus Entwicklern, Designern und Agenturen ausgebaut, das zusätzliche Anwendungen und Erweiterungen für die Plattform bereitstellt.

Erweiterung des Geschäftsmodells

Neben der Kernplattform entwickelte Shopify zusätzliche Dienstleistungen, darunter Zahlungsabwicklung, Versandlösungen und Finanzprodukte für Händler. Mit Angeboten wie Shopify Payments und Shopify Capital wurde das Unternehmen stärker in die Wertschöpfungskette des Onlinehandels integriert.

Darüber hinaus investierte Shopify in Technologien zur Unterstützung von Multichannel-Vertrieb, sodass Händler ihre Produkte nicht nur über eigene Onlineshops, sondern auch über soziale Netzwerke und Marktplätze vertreiben können.

Entwicklung seit den 2020er Jahren

In den 2020er Jahren profitierte Shopify zunächst stark vom Wachstum des E-Commerce, insbesondere im Zuge der globalen Veränderungen im Konsumverhalten. Gleichzeitig sah sich das Unternehmen später mit einer Normalisierung des Marktes konfrontiert, was zu strategischen Anpassungen führte.

Shopify konzentrierte sich verstärkt auf Effizienz, Plattformintegration und die Weiterentwicklung seiner technischen Infrastruktur. Dazu gehörten Investitionen in Cloud-Technologien, Automatisierung und Werkzeuge für größere Händler.

Gegenwart und Bedeutung

Heute zählt Shopify zu den führenden Anbietern von E-Commerce-Infrastruktur weltweit. Das Unternehmen bietet eine Plattform, die von Einzelunternehmern bis hin zu großen Marken genutzt wird.

Die Entwicklung von Shopify zeigt den Wandel von einer internen Softwarelösung hin zu einem globalen Technologieunternehmen, das zentrale Funktionen des digitalen Handels bereitstellt und kontinuierlich an neue Marktbedingungen angepasst wird.

Vor- und Nachteile für Händler

Vorteile

Händlerinnen und Händler müssen sich, solange sie voll auf das Payment-System von Shopify setzen, weniger um technischen Schnittstellen kümmern.

Nachteile

Die stärkere Kontrolle über die gesamte Infrastruktur erhöht die Abhängigkeit der Händler von Shopify. Zudem erhält Shopify Zugriff auf wertvolle Transaktionsdaten, die möglicherweise für Konflikt mit den hohen europäischen Datenschutz-Standards sorgen.

Shopify als PSP

Nun könnte man meinen, die Ausweitung des Shopify-Geschäftsmodells beträfe nur den US-Markt. Schließlich hat Shopify ja nur in den USA Lizenzen als Money Transmitter beantragt. Ein aktuelles Shopify-Stellenangebot zeigt allerdings, wohin die Reise gehen soll:

„Shopify is building a Money Movement Platform that spans multiple licensed entities across the US, UK, and EU.“

Quelle: Shopify

„Across the US, UK, and EU“. Shopify will sich demnach als Money Movement Platform, sprich als PSP auf dem europäischen Markt etablieren. So wie auch Stripe und Mollie, aber mit dem speziellen Ansatz der Kombination von PSP und Shopsystem. Clever gemacht!

Shopify vs Wero

Für das europäische Wero-Projekt ergeben sich daraus, vorsichtig ausgedrückt, einige Herausforderungen. Wero soll ja als europäische Zahlungslösung aufgebaut werden. Wenn große Plattformen wie Shopify eigene Zahlungssysteme integrieren, könnte dies die Marktdurchdringung von Wero erschweren. Händler haben dann weniger Anreiz, zusätzliche Zahlungsoptionen wie Wero einzubinden.

Fragmentierung statt Werofizierung

Große SaaS-Plattformen wie Shopify können durch ihre Reichweite eigene Standards setzen. Dies könnte die Fragmentierung im Zahlungsmarkt verstärken und die Etablierung von Wero behindern. Was wäre, wenn andere Shopanbieter wie Shopware, Magento oder Oxid nachziehen? Dann müsste sich Wero, das sich selbst ja als umfassendes und von jeglicher Shopsoftware unabhängiges Zahlungs-Ökosystem versteht, in einem Umfeld zunehmend geschlossener Zahlungs-Systeme behaupten.

Wero – wo bleiben die Schnittstellen?

Für Wero steigt jetzt der Druck, den Händlerinnen und Händler klare Vorteile zu bieten. Und jetzt werde ich mal ganz konkret: Liebe EPI, macht doch mal Nägel mit Köpfen, nehmt eine Million in die Hand und gebt Folgendes in Auftrag: Die Programmierung eines unabhängigen, kostenlosen und wohl gepflegtes Zahlungs-Plugins für WooCommerce. Ein Plugin, das ohne PSP funktioniert.

Portrait Bernd Schmitt

Ihre Meinung? Yay oder Nay zu Shopify als PSP?

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert