Die UniCredit hat ein Übernahmangebot für die Commerzbank veröffentlicht: Für jede Commerzbank-Aktie bieten die Italiener 0,485 neue Unicredit-Aktien. Bis zum 16. Juni 2026 will die UniCredit weitere Anteile an der Commerzbank sichern, wie die Mailänder Bank am Dienstag, den 5.5.2026 mitteilte. Ziel ist die komplette Übernahme der Commerzbank.
Ablauf der Umtauschfrist am 16. Juni 2026
Auch wenn die Übernahme zum 16. Juni scheitern sollte: Die Commerzbank wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von der italienischen UniCredit einverleibt, beispielsweise durch ein späteres, noch höheres Angebot für die Commerzbank-Aktionäre. Wie es zur Übernahme kommen konnte, zeigt ein Rückblick auf die letzten Jahrzehnte.
2005 – UniCredit übernimmt die HypoVereinsbank
Die italienische Bank UniCredit schließt die Übernahme der HypoVereinsbank ab. Die HypoVereinsbank ist nun Teil der UniCredit. Die HypoVereinsbank war 1998 durch die Fusion der Hypobank und der Bayerischen Vereinsbank entstanden.
Quelle: HVB
2008 – Bankenkrise
Die Commerzbank kündigt die Übernahme der Dresdner Bank an. Kurz danach, im September 2008, spitzt sich die internationale Finanzkrise zu. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers geben sich die Banken untereinander keine kurzfristigen Kredite mehr, wodurch viele Geldinstitute in Liquiditätsnöte kommen – darunter auch die Commerzbank. Im Oktober 2008 treten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) vor die Kameras und erklären, die Bundesregierung werde „die Sparguthaben der Bürgerinnen und Bürger schützen“.
Quelle: bpb
2009 – Übernahme der Dresdner Bank und staatliche Rettung
Mitten in der Finanzkrise, im Januar 2009, wird die Übernahme der Dresdner Bank abgeschlossen. Über 9000 Jobs gehen verloren, zahlreiche Zweigstellen verschwinden. Der Kaufpreis beträgt knapp 10 Milliarden Euro, wodurch die Commerzbank weiter in Schlagseite gerät. Der staatliche Rettungsfonds SoFFin (Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung) steigt ein, um die Bank mit Kapitalhilfen von insgesamt 18,2 Milliarden Euro vor dem Kollaps zu bewahren. Die Bezüge der Vorstandsmitglieder werden auf maximal 500.000 Euro pro Jahr gedeckelt. Zudem werden die Bonuszahlungen weitgehend gestrichen. Der deutsche Staat wird mit 25 Prozent plus 1 Aktie zum Großaktionär und sichert damit das Überleben der Commerzbank. .
Quelle: bpb
2010 – Deutschland hält Sperrminorität
Im Jahr nach der Finanzkrise stabilisiert sich die Commerzbank zwar schrittweise, doch der Bund bleibt beteiligt und hält weiterhin die Sperrminorität von 25 Prozent + 1 Aktie. Mit einer solchen Sperrminorität kann ein Minderheitsaktionär ein Veto-Recht ausüben und zum Beispiel eine Übernahme der Aktiengesellschaft verhindern.
2011 – Commerzbank führt Kapitalerhöhung durch
Die Commerzbank führt eine gigantische Kapitalerhöhung von 11 Milliarden Euro durch. Mit dem frischen Kapital zahlt die Commerzbank die Kapitalhilfen des staatlichen Rettungsfonds SoFFin schrittweise zurück. Damit befreit sich die Bank von den Auflagen des Bundes. Die Deckelung der Vorstandsgehälter auf 500.000 Euro pro Jahr gilt nicht mehr. .
Quelle: DHZ
2013 – Deutschland verliert Sperrminorität
Die Bundesrepublik Deutschland reduziert ihren Anteil an der Commerzbank auf nur noch 18 bis 20 Prozent der ausgegebenen Aktien. Damit ist der Bund zwar noch größter Aktionär der zweitgrößten deutschen Geschäftsbank, verliert aber seine Sperrminorität von 25 Prozent + einer Aktie. Eine Übernahme kann nicht mehr blockiert werden.
Quelle: Tagesspiegel
2024 – Einstieg von UniCredit
Der Bund hält im Sommer 2024 noch 16,5 Prozent der Commerzbank, stößt dann aber 4,5 Prozent ab. Während die Bundesrepublik nur noch 12 Prozent der Anteile besitzt, ist die italienische Großbank UniCredit bei der Commerzbank massiv eingestiegen und baut ihre Beteiligung schrittweise aus. Innerhalb kurzer Zeit steigt das Mailänder Institut zum größten Einzelaktionär der Commerzbank auf. .
2025 – UniCredit nähert sich der 30-Prozent-Grenze
Die UniCredit erhöht ihren Anteil kontinuierlich und nähert sich der Schwelle von 30 Prozent der Stimmrechte an. Die 30-Prozent-Schwelle ist für die Übernahme von Aktiengesellschaften von besonderer Bedeutung
Sobald ein einzelner Aktionär 30 Prozent oder mehr Stimmrechte hält, ist er nach § 29 WpÜG verpflichtet, ein Angebot an alle übrigen Aktionäre abzugeben. Er muss den übrigen Aktionären anbieten, auch die restlichen Aktien zu kaufen.
März 2026 – Ankündigung eines Übernahmeangebots
Am 16. März 2026 kündigt die UniCredit an, ein öffentliches und freiwilliges Übernahmeangebot vorzulegen, also ein Tauschangebot von Commerzbank-Aktien zu UniCredit-Aktien. Die Commerzbank bezeichnet den Vorgang allerdings als Versuch einer feindlichen Übernahme.
Quelle: ZEIT
April 2026 – Commerzbank gegen Übernahme
Die Commerzbank lehnt die Übernahme ab. Vorstand und Aufsichtsrat erklären, das Angebot zwar prüfen zu wollen, sehen jedoch keinen Nutzen für die Aktionäre. Die Frankfurter Bank hält an ihrer eigenen Unternehmensstrategie fest und verweist auf die breite Unterstützung durch Kunden, Mitarbeiter und Politik. Auch die Bundesregierung unterstützt die Eigenständigkeit. Sie bezeichnet die Commerzbank als eine systemrelevante Bank und lehnt eine feindliche Übernahme ab. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet den Abbau von Arbeitsplätzen.
Quelle: ZEIT
4. Mai 2026 – Zustimmung der UniCredit-Aktionäre
UniCredit-Chef Andrea Orcel hatte bei seinen Aktionären für die geplante Übernahme der Commerzbank geworben. Am 4. Mai 2026 lässt die UniCredit ihre Aktionäre über die Expansion und der damit verbundenen Kapitalerhöhung abstimmen. Die Aufstockung in Höhe von 6,7 Milliarden Euro soll durch die Ausgabe neuer Aktien durchgeführt werden. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Mailand stimmen 99,55 Prozent zu (berechnet nach Kapitaleinlage). Mit der Kapitalerhöhung kann die Übernahme der Commerzbank finanziert werden, der Weg für ein Übernahmeangebot ist jetzt frei.
5. Mai. 2026 – Konkretes Übernahmeangebot
Die UniCredit veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die Commerzbank. Für jede Commerzbank-Aktie bieten die Mailänder 0,485 neue Unicredit-Aktien. Bis zum 16. Juni will die UniCredit weitere Anteile an der Commerzbank sichern – um die Bank dann komplett zu übernehmen.
Und wie ist das mit Wero?
Die UniCredit kann kein Wero und ihr deutscher Ableger, die HypoVereinsbank, kann auch kein Wero. Es stellt sich jetzt die Frage, ob die Drama-Queen Commerzbank nach der Übernahme durch die UniCredit erneut ihre Strategie ändert und ihre Pläne zur Wero-Unterstützung wieder fallen lässt.
Kommentar zur Wero-Politik
Eine klare, deutliche und verlässliche Positionierung pro Wero hätte der Commerzbank in ihrem Kampf um die Eigenständigkeit nicht geschadet. Der Austritt aus der European Payments Initiative (EPI) war ein Fehler, und ebenso die nur halbherzige Rolle rückwärts im Jahr 2026.
