Update 5.Juni 2026:
UniCredit will Commerzbank samt Comdirect übernehmen und legt Angebot zur Übernahme vor.
Frankfurt. Die Mutter Commerzbank hat sich nach langem Hin und Her zu Wero bekannt, jetzt hat sich auch die Tochter dazu geäußert. Wobei Tochter nicht ganz richtig ist, denn seit November 2020 ist die in den Neunzigern gestartete Ausgründung Comdirect wieder komplett in den Schoß den Mutter zurückgekehrt. Mit Haut und Haaren. Die Comdirect ist also nicht mehr eigenständig. Aber zurück zum Thema, es geht um die neue europäische Zahlungsart, es geht um Wero.
Die Comdirect wird Wero-Bank. Aber wann?
Die Comdirect möchte schrittweise, ein Datum wurde nicht genannt, ihren Kundinnen und Kunden das Bezahlsystem Wero anbieten. Verkündet wurde der Entschluss allerdings nicht auf einer großen Wero-Party, sondern mittels einer schnöden Fußnote, hinterlassen von einer gewissen Ines auf dem Comdirect-Forum. Europa-Begeisterung sieht anders aus.
Auch Comdirect führt Wero ein
„Wie bereits von unserer Konzernchefin angekündigt, wird die Commerzbank ihren Kunden Wero zur Verfügung stellen. Gespräche zur Zusammenarbeit mit Wero und der schrittweisen Einführung sind gestartet. Die Aussage von Bettina Orlopp bezieht sich auf beide Marken.“
Ines, Social-Media-Team Commerzbank 13.02.2026
Das Thema Wero ist noch frisch
Drei Tage nach dem zaghaften Wero-Bekenntnis folgte heute diese Aussage auf dem Comdirect-Forum:
Da das Thema noch sehr frisch ist, gehe ich davon aus, dass wir erst in den nächsten Wochen mehr zu der Einführung erfahren werden.
Ines, Social-Media-Team Commerzbank, 16.02.2026
Kommentar: „Thema Wero ist noch frisch“
Das Thema Wero ist „noch sehr frisch“? Wie bitte? Was ist da nur im Frankfurter Bankenviertel los? Das ist schon eine sehr gewagte Aussage für eine Bank, die immerhin zu den Gründungsmitgliedern der EPI zählt. Was soll das genau heißen, liebe Comdirect-CEOs? Ihr kommt doch nicht etwa auf die Idee, samt der Commerzbank wieder einen Wero-Rückzieher zu machen?
Das könnt ihr machen, aber dann überholt euch noch eine ähnlich agile Direktbank. Die 1822direkt, ein Unternehmen der Frankfurter Sparkasse. Oder die Consorsbank.
Unternehmensgeschichte der Comdirect
1994: Die Comdirect-Gründung
Die Comdirect Bank AG wurde 1994 gegründet und nahm zunächst als Wertpapier-Broker ihre Tätigkeit auf. Ziel war es, privaten Anlegern einen einfachen und kostengünstigen Zugang zu Börsen und Finanzprodukten zu ermöglichen. Anders als klassische Filialbanken setzte die Comdirect von Beginn an auf ein Geschäftsmodell ohne eigenes Filialnetz. Der Kundenkontakt sollte vor allem über E-Mail und Telefon-Banking erfolgen. Das Internet hatte in den frühen Neunzigern ja erst das Laufen gelernt und Banking-Apps standen noch gar nicht zur Verfügung.
1999: Der Comdirect-Börsengang
Mit der zunehmenden Verbreitung des Internets in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre entwickelte sich die Direktbank schnell zu einem der wichtigsten Anbieter für Online-Brokerage in Deutschland. 1999 ging die Comdirect Bank an die Börse. Der Börsengang fand in einer Phase statt, in der Technologie- und Internetunternehmen stark im Fokus der Kapitalmärkte standen. Die Bank nutzte die Geldmittel, um ihre technische Infrastruktur auszubauen und ihr Angebot zu erweitern.
2000: Die Dotcom-Blase
Nach dem Platzen der Dotcom-Blase Anfang der 2000er-Jahre musste auch die Comdirect Bank ihre Strategie anpassen. Während viele Internetunternehmen in Schwierigkeiten gerieten, stabilisierte sich das Geschäftsmodell der Direktbank durch die Ausweitung ihres Produktportfolios. Neben dem Wertpapierhandel wurden nun verstärkt Girokonten, Tagesgeldkonten, Kredite und weitere Bankdienstleistungen angeboten. Dadurch entwickelte sich die Comdirect schrittweise von einem reinen Online-Broker zu einer vollwertigen Direktbank.
Aktiver Wertpapierhandel
In den folgenden Jahren setzte die Comdirect auf Innovation im digitalen Banking. Sie investierte in mobile Anwendungen profilierte sich als Anbieter für selbstbestimmtes Banking und aktiven Wertpapierhandel.
2008: Beginn der Finanzkrise
2008 beginnt, als Folge der Immobilienkrise in den USA (Subprime-Krise), die internationale Finanzkrise. Sie erreicht ihren Höhepunkt am 15. September 2008 mit dem Konkurs der US-Investmentbank Lehman Brothers. Die Krise führte weltweit zu massiven Einbrüchen an den Aktienmärkten und der staatlichen Rettung zahlreicher Großbanken. Während der Finanzkrise wurde die Commerzbank AG mit Steuermitteln gestützt und teilweise verstaatlicht. Für die Comdirect hatte die Finanzkrise jedoch keine gravierenden Folgen, sie blieb wirtschaftlich stabil.
2020: Commerzbank erwirbt Aktienmehrheit
Im Jahr 2020 übernahm die Commerzbank AG die Mehrheit der noch frei gehandelten Aktien der Comdirect und leitete eine vollständige Integration ein. Die Comdirect Bank wurde daraufhin schrittweise organisatorisch und technisch in die Strukturen der Commerzbank eingebunden.
Comdirect verliert Eigenständigkeit
Im November 2020 wurde die Comdirect Bank AG mit der Commerzbank AG fusioniert. Damit endete die rechtliche Eigenständigkeit der Direktbank. Die Marke Comdirect blieb jedoch weiterhin im Markt präsent und wird bis heute für digitale Banking- und Brokerage-Angebote genutzt.
2026: UniCredit übernimmt Commerzbank samt Comdirect?
Von der Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank Unicredit wäre auch die Comdirect betroffen. Die Wero-Einführung stünde dann wieder auf der Kippe. Die UniCredit unterstützt Wero aktuell (Juni 2026) nämlich nicht.

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