Der Übernahmepoker zwischen UniCredit und der Commerzbank sorgt für Schlagzeilen. Die Europäische Zentralbank (EZB) kritisiert die Positionierung der Bundesregierung in einem Interview mit der Financial Times ungewöhnlich scharf. Üblicherweise vermeiden es Vertreterinnen und Vertreter der EZB nämlich, sich zu einzelnen Banken oder gar laufenden Übernahmeverfahren zu äußern. Interviewpartner war zwar nicht die EZB-Präsidentin Christine Lagarde selbst, aber mit EZB-Vizepräsident Luis de Guindos, zuständig für den Bereich Finanzstabilität, immerhin ein ranghoher Vertreter.
EZB: EU-Binnenmarkt bedroht
Der Kern der EZB-Kritik: Bei der Verteidigung ihrer Eigenständigkeit erhält die Commerzbank politischen Rückenwind der Bundesregierung. Die EZB sieht damit den freien Kapitalverkehr innerhalb der EU in Gefahr. Nationale Widerstände, so die Zentralbank, seien nicht mit den Zielen einer starken europäischen Finanzarchitektur vereinbar. Politisch motivierte Eingriffe widersprächen dem Grundgedanken des EU-
Der Bund motivierte die UniCredit zum Einkauf
Die EZB hat es zwar nicht explizit erwähnt, aber es ist nunmal eine Tatsache, dass der Bund die UniCredit zum Kauf von Commerzbank-Aktien geradezu anlockte: Unter Finanzminister Christian Lindner (FDP) stieß die Bundesrepublik Deutschland nämlich im Herbst 2024 über vier Prozent ihrer Commerzbank-Anteile ab.
Anteile des Bundes an der Commerzbank (%)
| Jahr | Anteil |
|---|---|
| 2009 | 25% |
| 2013 | 17% |
| 2015 | 16% |
| 2024 | 12% |
Als sich 2009 die Finanzkrise zuspitzte, war der Bund mit einem Anteil von 25 Prozent eingestiegen und rettete das angeschlagene Unternehmen. Die Commerzbank wurde also teilverstaatlicht. Der Rückgang in den Jahren 2013 und 2015 ist lediglich eine Folge von Kapitalerhöhungen. Aktiv Commerzbank-Anteile verkauft hat der Bund erst im Jahr 2024, eingekauft hat die UniCredit.
Politische Eingriffe nicht nur in Deutschland
Die Rüge der EZB betrifft dabei nicht nur den Widerstand gegen den UniCredit-Commerzbank-Deal. Politische Eingriffe in den Binnenmarkt seien, so die EZB, nicht auf Deutschland beschränkt. Auch in anderen Ländern wachsen politische Strömungen, die dem Grundgedanken des Binnenmarkts entgegen stehen.
Europas Banken auf Augenhöhe mit den USA
In ihrer Kritik verweist die EZB auch auf die strukturelle Schwäche der europäischen Privatbanken. Im Vergleich zu den USA sei der europäische, und spezielle auch der deutsche Bankenmarkt zu sehr fragmentiert. Übernahmen, auch grenzüberschreitend, könnten Europas Banken auf Augenhöhe mit den US-Großbanken bringen.
Die Verteidigung der Commerzbank
Zur Verteidigung Ihrer Eigenständigkeit hat die Commerzbank Maßnahmen ergriffen: Die Frankfurter planen den Abbau von rund 3.000 Stellen in Deutschland, vor allem in Verwaltungs- und internen Bereichen. Gleichzeitig sollen in anderen Geschäftsfeldern neue Arbeitsplätze entstehen, die Gesamtzahl der Beschäftigten also möglichst stabil bleiben. Ziel der Coba-Maßnahmen ist es, Kosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Der Stellenabbau ist Teil der Strategie „Momentum“, mit der sich die Bank gegen eine mögliche Übernahme durch die UniCredit verteidigtl. Arbeitnehmervertreter haben dem Abbau unter der Bedingung zugestimmt, dass er sozialverträglich erfolgt, etwa durch Altersteilzeit oder freiwillige Programme.
Quelle: Tagesschau

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