Heute gibt es auf demoshops.de keine Wero-Nachrichten oder WooCommerce-Tutorials, sondern eine Meinung: Schafft endlich die provinziellen Bezahlsilos ab! Nieder mit der Kleinstaaterei, her mit Wero!
Schafft endlich die provinziellen Bezahlsilos ab! Nieder mit der Kleinstaaterei, her mit Wero!
Bernd Schmitt
Warum die ganze Aufregung? Weil Europa beim Payment noch im Zeitalter der Postkutschen verharrt – trotz der Erfolge des Binnenmarkts.
Der europäischer Binnenmarkt
Der europäische Binnenmarkt ist eine Erfolgsprojekt. Die Fakten:
- Ein Markt für über 450 Millionen Menschen
- Ein Bruttoinlandsprodukt von mehr als 15 Billionen Euro
- Freier Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr
- Unternehmen skalieren über Grenzen hinweg,
- Lieferketten sind international organisiert
- Kunden bestellen selbstverständlich im In- und Ausland
Die europäische Kleinstaaterei
Dieser europäische Binnenmarkt endet jedoch ausgerechnet im letzten Schritt jeder Transaktion: beim Bezahlen.
Was zunächst wie ein kleiner Schönheitsfehler aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein strukturelles Problem. Europa hat es nicht geschafft, seine Zahlungsinfrastruktur zu vereinheitlichen. Stattdessen dominiert ein Neben- und Durcheinander nationaler und regionaler Systeme. Europa hat einen funktionierenden Binnenmarkt geschaffen – und untergräbt ihn im Moment der Bezahlung.
Ein Europa, viele Bezahlsysteme
Die europäischen Zahlverfahren sorgen für eine Fragmentierung: Swish dominiert in Schweden, Twint in der Schweiz, iDEAL in den Niederlanden und Bizum in Spanien. Okay, für die beiden letztgenannten Systeme ist eine Migration zu Wero im Gange. Doch in vielen weiteren europäischen Staaten dominieren immer noch nationale, regionale und sogar bankenspezifische „Lösungen“.
Riesige Kleinstaaterei
Das Schlimme ist: Diese Kleinstaaten-Systeme sind nicht klein. Im Gegenteil, sie sind in ihren jeweiligen Märkten außerordentlich erfolgreich und präsent. Swish ist beispielsweise mit über acht Millionen Anwendern fest im Alltag aller Schweden verankert.
Der Erfolg ist das Problem
Genau dieser Erfolg ist das Problem. Was innerhalb eines Landes oder einer Region reibungslos funktioniert, endet an dessen Grenzen. Für einen europäischen Wirtschaftsraum, der sich Integration auf die Fahnen schreibt, ist das ein Widerspruch.
Die Illusion der Bürgernähe
Befürworter regionaler Zahlverfahren argumentieren gern mit Bürgernähe. Die Vielfalt sei ein Zeichen funktionierender Märkte.
Ähnliche Doppelentwicklungen sind keine Vielfalt
Tatsächlich handelt es sich in vielen Fällen um parallele Entwicklungen mit nahezu identischer Funktionalität. Geld senden per Telefonnummer, bezahlen per App, sofortige Bestätigung – die Unterschiede sind marginal, die Inkompatibilität ist hingegen fundamental.
Europa leistet sich damit ein überkommenes und ökonomisch unproduktives System von parallelen Infrastrukturen ohne Interoperabilität. Das Ergebnis ist keine echte Vielfalt, sondern eine ineffiziente Ökonomie.
Hemmschuhe für den E-Commerce
Besonders fatal wirkt sich die Kleinstaaterei im E-Commerce aus. Der Onlinehandel ist längst europäisch aufgestellt. Rund ein Drittel der europäischen Konsumentinnen und Konsumenten kauft regelmäßig im Ausland ein und die meisten Händler möchten ihre Produkte auch jenseits der Landesgrenzen nicht nur anbieten, sondern auch verkaufen.
Im Checkout herrscht Provinzialität
Leider herrscht im Checkout, also den Kassenseiten der Onlineshops, eine Provinzialität wie im Europa des 18. Jahrhunderts. Ein deutscher Kunde, gewohnt an PayPal, wird im spanischen Onlineshop mit Bizum konfrontiert. Und eine italienische Kundin sucht in deutschen Shops vergeblich nach Bancomat.
Kaufabbrüche als Konsequenz
Die Folgen sind magere Conversion Rates, steigende Kaufabbrüche und eine ineffiziente Benutzerführung. Es ist eine Binsenweisheit, dass fehlende oder ungewohnte Zahlungsoptionen zu den häufigsten Gründen für Kaufabbrüche zählen.
Kaufmännischer Mehraufwand
Für Händler bedeutet diese Fragmentierung zunächst einen Zusatzaufwand im kaufmännischen Bereich.
Europaweit verkaufen, mit lokalen Bezahlsystemen herumschlagen
Ein Händler, der europaweit verkaufen will, muss sich heute mit lokalen und regionalen Zahlungsarten herumschlagen. Das führt zu einer Vielzahl paralleler Integrationen, Verträge und Abrechnungsprozesse.
Die Stunde der PSPs
Immer wichtiger werden in diesem Gestrüpp die PSPs, die Payment Service Provider. Für den Onlinehandel heißt das: länderspezifische Gebührenmodelle studieren und PSPs vergleichen. Besonders nervig ist diese Recherchearbeit für kleine und mittlere Unternehmen, die sich das nötige Knowhow mühsam angeignen müssen. Der Markteintritt in den grenzüberschreitenden Handel wird dadurch unnötig erschwert.
Technischer Mehraufwand
Neben den kaufmännischen Belastungen verursacht die Kleinstaaterei eine weiteres, noch schwerwiegenderes Problem: Die Technik wird unnötig verkompliziert.
Jede zusätzliche Zahlungsart bringt eigene API-Schnittstellen, eigene Updatezyklen und eigene Fehleranfälligkeiten mit sich. Dadurch entstehen komplexe Architekturen, die schließlich bei den Payment-Plugins für Probleme sorgen und Onlinehändler vom Tagesgeschäft abhalten.
Die Nacht der Zahlungs-Zombies
Ein Beispiel: Nicht wenige WooCommerce-Händler haben sich ein Problem eingefangen, dass aus einem Zombiefilm stammen könnte: Das Zahlungs-Plugin PayPal Payments, es wurde von WooCommerce selbst programmiert, sorgte nach einem Update auf die Version 4.0 bei Händlern für Kopfschmerzen: Abgeschaltete Zahlungsmethoden sind nach einem Update wieder aktiv.
Fragile Systeme
Der WooCommerce-Zombie-Fall steht exemplarisch für die Fragilität des Parallelbetriebs allzu vieler Zahlungsarten.
- Je mehr Zahlungsarten integriert werden müssen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit für Inkonsistenzen und Ausfälle
- Je mehr Zahlungsarten integriert werden müssen, desto höher der Wartungsaufwand
- Je mehr Zahlungsarten integriert werden müssen, desto mehr Entwicklerkapazitäten werden gebunden
Das Ende vom Lied: Innovationsprojekte werden verzögert und statt technologischer Exzellenz wächst in Europa die Dauerbelastung zur Erhaltung des Status Quo.
Europas Abhängigkeit von externen Zahlungsinfrastrukturen
Als direkte Folge dieser internen Fragmentierung wächst auch die externe Abhängigkeit. Ein erheblicher Teil des europäischen Zahlungsverkehrs wird heute über außereuropäische Anbieter abgewickelt – insbesondere durch US-amerikanische Unternehmen wie PayPal, Google Pay, Apple Pay, Visa und Mastercard.
Zersplitterung kommt Europas Händlern teuer zu stehen
Die außereuropäischen Anbieter profitieren von der europäischen Zersplitterung. Wo kein gemeinsamer Standard existiert, setzen sich eben andere und extrem teure Zahlungsmethoden durch.
PayPal wird zur Kostenfalle
Zur Erinnerung: PayPal knöpft kleinen Händlern satte 2,49% plus 0,35 € Fixkosten vom Umsatz ab. Bei Kunden, die kein eigenes PayPal-Konto besitzen, sind es sogar 2,99% plus Fixkosten. Die spürbaren Konsequenzen für Europas Ökonomie:
- Gebührenabflüsse ins Ausland
- Begrenzte Einflussmöglichkeiten auf Payment-Infrastrukturen
- Schwindende digitale Souveränität
Das Geld fließt ab
Besonders verheerend sind die Gebührenabflüsse für Großunternehmen, die in einem Investitionsstau stecken. Man denke nur an die marode Bahn. Es fehlt an modernen Stellwerken, es fehlt an Personal, es fehlt am Fuhrpark, es fehlt an der Elektrifizierung bestehender Strecken, es fehlt an Neubaustrecken. Kurzum: Bei der Bahn fehlt es an allem. In dieser Situation Milliardenbeträge an PayPal und Kreditkartefirmen abfließen zu lassen, ist geradezu grotesk. Mit der simplen Umstellung auf Wero wären diverse Bahnprojekte so schnell finanziert wie der ICE zwischen Frankfurt und Köln benötigt. Hallo Bahn, schließ Wero an!
Wero als politisch-ökonomisches Projekt
Vor diesem Hintergrund ist Wero weit mehr als nur eine weitere Zahlungsart. Es ist der Versuch, eine strukturelle Lücke zu schließen. Die Ansprüche an von Wero sind:
- Vereinheitlichung statt weiterer Fragmentierung
- Eine Plattform für Hunderte Millionen Nutzer etablieren
- Ein Standard für den europäischen Zahlungsverkehr etablieren, auch grenzüberschreitend
- Eine Grundlage für weitere Innovationen im digitalen Finanzökosystem bieten
- Einen wettbewerbsrechtlichen Rahmen für die europäischen Banken schaffen
Unterschiedlich hohe Händlergrebühren
Es geht nicht darum, eine einheitliche Gebührenstruktur für Wero festzulegen. Wie auch bei den Konditionen für Giro- und andere Konten sollen die europäischen Banken in Konkurrenz treten. Nur so ist gewährleistet, dass sich die Wero-Gebühren nicht den PayPal-Gebühren annähern.
Der politische Wille entscheidet
Technologisch ist die Wero-Lösung greifbar. Ökonomisch ist sie sinnvoll. Was noch fehlt, ist vor allem der politische Wille – und bei den Banken der institutioneller Wille.
Die Europäische Payment-Initiative, kurz EPI, seht vor einer echten Herkules-Aufgabe: Nationale Interessen, etablierte Marktstrukturen und kurzfristige Wettbewerbsvorteile einzelner Akteure stehen einer umfassenden Lösung im Weg. Hier gilt es, eine zähe Überzeugungsarbeit zu leisten – damit Europa seine wirtschaftliche Integration weiter umsetzen kann.
Fazit: Europa braucht Wero
- Europa hat bewiesen, dass es große Integrationsprojekte umsetzen kann. Der Binnenmarkt selbst ist der beste Beleg dafür.
- Der Zahlungsverkehr ist der nächste logische Schritt.
- Solange nationale, regionale und externe Zahlungsverfahren dominieren, bleibt der europäische Markt unvollständig.
- Solange Händler kaufmännische Hürden überwinden müssen, bleibt der Wettbewerb eingeschränkt
- Solange Händler technische Hürden überwinden müssen, bleibt der Wettbewerb eingeschränkt und Entwicklerstunden werden für unproduktive Wartungsarbeiten vergeudet.
- Solange externe Anbieter die Infrastruktur prägen, bleibt Europa abhängig.
Wero ist daher kein Nice-to-have, sondern eine wirtschaftspolitische Notwendigkeit, wenn Europa auch beim Bezahlen als Markt funktionieren soll.
Schafft die Bezahlsilos ab!
Die Kleinstaaterei ist auch im digitalen Gewand ein Handelshemmnis. Schafft endlich die provinziellen Bezahlsilos ab! Wir wollen Wero!

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