Was auf Malle passiert, wird auf Malle beglichen

Sangria-Eimer mit Sparkassen-Logo

„Was auf Malle passiert, wird auf Malle beglichen“. Mit diesem Slogan wirbt die Sparkasse mit einem Transparent auf dem Flughafen von Palma de Mallorca für die Zahlungsart Wero.

Die Vegas-Regel

Vorbild für die Sparkassen-Reklame ist die sogenannte Vegas-Regel: „What happens in Vegas, stays in Vegas.“ Der Spruch wurde 2003 von der Werbeagentur R & R Partners erfunden, um den Vegas-Tourismus anzukurbeln. Die Idee dahinter: In Las Vegas kannst du für eine begrenzte Zeit deine spießige Umgebung vergessen.

Quelle: The Week

So richtig populär wurde der Slogan durch die 2008 produzierte Komödie „What happens in Vegas“ mit Cameron Diaz und Ashton Kutcher in den Hauptrollen. Die beiden (Joy und Jack) wachen nach einer exzessiven Nacht als verheiratetes Paar auf, obwohl sie sich kaum kannten. Beide wollen die Ehe schnell wieder annullieren, geraten dabei aber in einen Streit um einen Jackpot-Gewinn, den Jack mit Joys Münze im Spielautomaten erzielt hat. Ein Gericht zwingt sie dann, zunächst sechs Monate als Ehepaar zusammenzuleben und sich anzustrengen, die Ehe „ernsthaft“ zu führen, bevor über eine Scheidung entschieden wird. Während dieser Zeit nerven sie sich anfangs gegenseitig, aber es kommt, wie es kommen muss: Happy End, Ehe gerettet.

Die Party-Insel

Die Geschichte der deutschen Partyszene auf Mallorca begann in den 1960er und 1970er Jahren, als die Insel zu einem beliebten Reiseziel für deutsche Urlauber wurde. Mit dem Massentourismus entwickelte sich insbesondere die Region rund um die Playa de Palma zu einem Zentrum für geselliges Nachtleben.

Der Ballermann

In den 1980er und 1990er Jahren wurden Lokale wie der Bierkönig, das Balneario 6 und der Megapark zu Institutionen der Szene. Sie entwickelten sich von einfachen Bars zu großen Eventlocations mit Live-Auftritten und DJs. Gespielt wurde deutschsprachige Partymusik.

Die Kommerzialisierung

In den 2000er Jahren professionalisierte sich die Szene zunehmend. Künstler wie Jürgen Drews, Mickie Krause und Peter Wackel wurden zu festen Größen und prägten den sogenannten „Ballermann-Schlager“. Die Partyszene wurde stärker kommerzialisiert und entwickelte sich zu einem Wirtschaftsfaktor für den Mallorca- Tourismus.

Die Malle-Exzesse

Ab den 2010er Jahren sah sich die Szene zunehmend mit Kritik konfrontiert. Die lokale Politik versuchte, exzessiven Alkoholkonsum und öffentliches Fehlverhalten einzudämmen, unter anderem durch strengere Gesetze und Kontrollen an der Playa de Palma.

Die Neuausrichtung

Heute ist die deutsche Partyszene auf Mallorca weiterhin ein bedeutender Bestandteil des Tourismus, hat sich jedoch teilweise gewandelt. Neben klassischen Partyangeboten gibt es verstärkt hochwertigere Events und ein breiteres Publikum. Es wird versucht, ein Gleichgewicht zwischen Unterhaltung und Rücksicht auf die lokale Bevölkerung zu finden.

Kritik der Balearen-Regierung

Die Balearen-Regierung ist davon allerdings nicht begeistert, sie fordert die Entfernung des riesigen Sparkassen-Banners. Der Tourismusminister Jaume Bauzà sieht darin ein Problem, weil der Begriff „Malle“ mit Sauftourismus verbunden ist. Er befürchtet, dass die Sparkassen-Reklame die lokalen Anti-Ballermann-Bemühungen untergräbt. Mallorca arbeitet nämlich gerade an einer Neuausrichtung: Mehr Kultur, weniger Happy Hour.

Quelle: Mallorca-Zeitung

Flughafenbetreiber Aena weist Kritik zurück

Der Flughafenbetreiber Aena, der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Madrid, weist die Kritik zurück. Aena argumentiert, dass die Wero-Kampagne wohl kaum messbare Imageschaden verursachen könne. Für den lädierten Ruf der Insel seien diejenigen verantwortlich, die den trinkwilligen deutschen Touristen den Alkohol eimerweise hinstellen.

Kommentar: Sparkasse im Eimer

Werbung, wenn sie auffallen will, ist nie nur „harmlos“. Sie setzt Bilder im Kopf frei und verstärkt Narrative. Werbung entscheidet, was als normal gilt. Wenn die Sparkasse meint, sich an den Sauftourismus andocken zu müssen, sagt das weniger über Mallorca aus als über ihr eigenes Markenverständnis. Könnte sein, dass das Image Schaden genommen hat. Das Image der Sparkasse.

Update 1: Sparkasse entschuldigt sich

Die Sparkassen-Gruppe hat sich inzwischen der Kritik gestellt. In einem an den Tourismusminister Bauzá gerichteten Brief bat der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Ulrich Reuters, um Entschuldigung:

„Wir folgen der Einschätzung der balearischen Regionalregierung und werden die kritischen Werbeprodukte korrigieren. Das große Werbeplakat am Flughafen Palma de Mallorca wird, so schnell das technisch umsetzbar ist, abgehängt“.

Quelle: Mallorcazeitung

Update 2: Was auf Malle hing, ist verschwunden

Die Insulaner haben sich durchgesetzt. Am Mittwoch, den 3. Juni 2026 wurde das Riesenbanner der Sparkasse wieder entfernt. Auf Malle ist wieder Normalbetrieb.

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