Passkey, was ist das denn schon wieder? Ein superduper Passwort-Manager? Nein, ein Passkey ist ein sicheres Login-Verfahren. Aha, also gibt es auch ein unsicheres Login-Verfahren? Ja, gibt es: Benutzername und Passwort.
Angriffe auf Benutzername und Passwort nehmen zu
Die klassische Kombination aus Benutzername und Passwort gilt heute als Schwachstelle. Datenlecks, Phishing-Angriffe und unsichere Passwörter sorgen immer wieder für gehackte Accounts. Eine moderne Alternative ist der sogenannte Passkey-Login. Doch was verbirgt sich hinter diesem Konzept und warum gilt es als besonders sicher?
Was ist ein Passkey-Login?
Ein Passkey-Login ist eine relativ neue Methode zur Anmeldung bei Online-Diensten, die vollständig ohne klassisches Passwort auskommt. Statt sich ein Passwort merken zu müssen, erfolgt die Anmeldung über ein kryptografisches Schlüsselpaar. Dieses besteht aus folgenden Schüsseln:
- Ein privater Schlüssel, der sicher auf dem eigenen Gerät gespeichert ist, zum Beispiel auf dem Handy
- Ein öffentlicher Schlüssel, der beim jeweiligen Dienst hinterlegt wird. zum Beispiel bei der Bank
Mit „Schlüsseln“ sind hier dabei ganz einfach generierte Codes gemeint. Der entscheidende Sicherheits-Gewinn: Der private Schlüssel verlässt niemals das Gerät. Dadurch kann er weder gestohlen noch abgefangen werden. Der Passkey-Login gilt daher als sichere und benutzerfreundliche Alternative zu klassischen Logins.
Wie funktioniert ein Passkey-Login technisch?
Die Funktionsweise basiert auf moderner Kryptografie, genauer gesagt auf sogenannten Public-Key-Verfahren. Beispiel für den Ablauf:
- Bei der Registrierung eines Accounts, zum Beispiel bei einer Bank, erstellt das Handy ein Schlüsselpaar. Der öffentliche Schlüssel wird an die Bank übertragen und dort gespeichert. Der private Schlüssel bleibt sicher auf dem Handy.
- Beim Login in die Banking-App fordert die Bank eine Authentifizierung an. Das Handy des Kunden signiert diese Anfrage mit dem privaten Schlüssel. Der Server der Bank überprüft die Signatur mit dem öffentlichen Schlüssel und gewährt Zugriff.
- Die Freigabe erfolgt über eine lokale Authentifizierung wie zum Beispiel der elektronische Fingerabdruck, die Gesichtserkennung oder eine Geräte-PIN. Dadurch wird sichergestellt, dass nur die berechtigte Person den Passkey-Login nutzen kann.
Details zum elektronischen Fingerabdruck
Vorteile von Passkey-Login gegenüber Passwörtern
Die Vorteile von Passkeys:
- Da keine Passwörter übertragen oder gespeichert werden, sind Phishing-Angriffe deutlich erschwert.
- Passwörter können zu simpel oder zu kurz sein – Passkeys nicht.
- Der Passkey-Login ist an echte Dienste oder Domains gebunden und kann nicht auf gefälschten Webseiten verwendet werden.
- Es müssen keine komplexen Passwörter notiert werden. Die Anmeldung erfolgt schnell über biometrische Verfahren oder eine Gerätefreigabe.
- Bei Datenlecks bleiben Konten geschützt, da nur öffentliche Schlüssel gespeichert werden, mit denen kein Zugriff möglich ist.
- Passkeys können im Gegensatz zu Passwörtern nicht vergessen werden.
- Passkeys werden schnell und automatisiert erstellt.
- Es ist relativ unwahrscheinlich, dass Passkeys durch Phishing oder Datendiebstahl verloren gehen.
- Kein Domino-Effekt: Jeder Passkey schützt immer genau einen Account – so können nie mehrere Accounts gefährdet sein, sollte ein Passkey missbraucht werden.
Auf welchen Geräten werden Passkeys gespeichert?
Passkeys werden direkt auf dem verwendeten Gerät gespeichert. Moderne Betriebssysteme wie Windows, Android oder iOS bieten dafür sichere Speicherbereiche.
Sichere Bereich auf den Handy – gibt es die?
Ja, vergleichbar ist das System mit dem TPM (Trusted Platform Module) von Windows. Das ist ein Hardware-Sicherheitschip, den Microsoft für Windows 11 ab Version 2.0 zwingend voraussetzt. Auf diesem Chip werden dann kryptografische Schlüssel und Passwörter sicher abgespeichert. Und einiges Andere auch, deshalb bin ich kein Fan von Windows TPM. Ich wollte die Sicherheitssysteme vergleichen.
Außerdem können Passkeys verschlüsselt über Cloud-Dienste synchronisiert werden. Dadurch wird der Passkey Login auch auf mehreren Geräten nutzbar. Hardware geht ja leider auch kaputt.
Was passiert beim Verlust eines Geräts?
Der Zugriff ist an biometrische Merkmale oder eine Geräte-PIN gebunden. Dadurch kann ein verlorenes Gerät nicht ohne Weiteres vom Finder oder Dieb genutzt werden.
Der Passkey-Login und die FIDO-Alianz
Hinter der Passkey-Technologie steckt die FIDO-Allianz. Die Abkürzung FIDO steht für Fast Identity Online. Passkey ist eine offene und herstellerunabhängige Möglichkeit zur Nutzerauthentisierung. Zur FIDO-Allianz zählen zahlreiche internationale Tech-Unternehmen wie Apple, Google und Microsoft und seit 2015 auch das BSI, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Grundlage für Passkey-Logins ist der FIDO2-Standard.
Der FIDO2-Stick
Für echte Nerds gibt es FIDO2-Sticks auf dem Markt, zum Beispiel den YubiKey oder den Nitrokey. Sieht aus wie ein USB-Stick, hat aber eine völlig andere Funktion. Auf einem FIDO2-Stick können Sie den private Schlüssel eines Schlüsselpaars ablegen. Das heißt:
- Der private Schlüssel bleibt auf dem FIDO2-Stick und verlässt diesen nie,
- Der öffentliche Schlüssel bleibt, wie gehabt, bei irgendeinem Internetdienst
Das Onboarding mit einem FIDO2-Stick
Zuvor muss der Internetdienst natürlich beide Schlüssel erzeugt haben, womit wir beim Onboarding wären. So funktioniert das Erzeugen eines Passkey-Schlüsselpaars mit FIDO2-Stick:
1. Anmeldung beim Dienst
Zunächst legt der Nutzer beim Dienst ein Konto an oder meldet sich mit einer bestehenden klassischen Methode an. Anschließend wählt er dann beispielsweise „Passkey hinzufügen“ oder „Sicherheitsschlüssel registrieren“.
2. Aufforderung im Browser
Im Browser erscheint dann die Aufforderung, einen Passkey zu registrieren. Die Terminologie ist dabei leider unterschiedlich. Verwendet wird auch der Begriff WebAuthn, er steht für Web Authentication API, auf Deutsch eine Schnittstelle für die Authentifizierung bei Internetdiensten.
3. FIDO2-Stick wird angeschlossen
Der Nutzer steckt den FIDO2-Stick in den Computer. Je nach Stick kann die Verbindung über USB-A, USB-C oder drahtlos über NFC erfolgen.
4. Der Browser startet Registrierungsprozess
Der Browser erkennt den FIDO2-Stick und startet den Registrierungsprozess.
5. Das Schlüsselpaar wird erzeugt
Es wird ein asymmetrisches Schlüsselpaar erzeugt:
- Der private Schlüssel bleibt auf dem FIDO2-Stick.
- Der öffentliche Schlüssel wird beim Dienst hinterlegt.
Der private Schlüssel wird nicht aus dem Stick ausgelesen und auch nicht an den Server übertragen. Der Server kennt anschließend den öffentlichen Schlüssel, besitzt aber nicht den dazugehörigen privaten Schlüssel.
6. Der Stick verlangt eine Bestätigung
Damit nicht irgendeine Anwendung heimlich den FIDO2-Stick zur Authentifizierung verwendet, muss der Nutzer die Aktion am Stick bestätigen.
Je nach Modell geschieht das beispielsweise durch:
- Berühren einer Sensorfläche
- Eingabe einer PIN
- Kombination aus PIN und Berührung
- bei bestimmten Geräten zusätzlich biometrische Verfahren
7. Der Dienst speichert die Passkey-Information
Bei erfolgreicher Registrierung speichert der Dienst den öffentlichen Schlüssel, sowie Informationen, mit denen der entsprechende Passkey dem Benutzerkonto zugeordnet werden kann.
Der entscheidende Sicherheitgewinn ist: Der Dienst erhält keine Kopie des privaten Schlüssels. Selbst wenn die Datenbank des Dienstes gestohlen wird, kann ein Angreifer mit dem dort gespeicherten öffentlichen Schlüssel nicht einfach einen gültigen Login erzeugen.
8. Onboarding abgeschlossen, was erfolgt bei späterem Login?
Beim nächsten Login startet der Dienst eine sogenannte Challenge:
- Der Server erzeugt eine zufällige kryptografische Aufgabe und schickt sie an den Browser.
- Der FIDO2-Stick muss diese Aufgabe mit seinem privaten Schlüssel beantworten.
- Der Stick signiert die Challenge mit dem privaten Schlüssel und gibt die Signatur zurück:
- Der Server überprüft die Signatur mit dem zuvor gespeicherten öffentlichen Schlüssel.
- Ist die Signatur korrekt, weiß der Server, dass derjenige, der sich anmelden möchte, tatsächlich Zugriff auf den registrierten FIDO2-Stick hat.
9. Funktiuoniert ein FIDO2-Stick auch auf dem Smartphone?
Ja, entweder über NFC oder über die Ladebuchse
Nachteile von Passkeys
Falls das Gerät, auf dem Ihre Passkeys hinterlegt sind, verloren gegangen ist, gestohlen wurde, oder den Geist aufgegeben hat, müssen die Passkeys relativ aufwändig wiederhergestellt werden.
Was tun, wenn keine Sicherheitskopien in einer Cloud hinterlegt wurden und auf einem neuen Gerät synchronisiert werden können? Dann muss die Identität neu nachgewisen werden und ein neuer Passkey für den Zugang erstellt werden. Sie müssen also zum Beispiel die Bank kontaktieren und Ihren Account wiederherstellen.
Wero-Sicherheit
Ein praktisches Beispiel für den Einsatz moderner Sicherheitsmechanismen ist Wero. Auch Wero nutzt biometrische Verfahren zur Freigabe von Transaktionen.
Die biometrische Verifizierung wie Face ID oder Fingerabdruck findet dabei ausschließlich über die Sicherheitsfunktionen des eigenen Smartphones oder der Banking-App statt. Wero selbst hat keinen Zugriff auf diese sensiblen Daten.
Wero-Datenschutz
Zu keinem Zeitpunkt werden echte biometrische Daten auf Wero-Servern gespeichert oder verarbeitet. Die Abfrage bestätigt lediglich gegenüber der App, dass die korrekte Person das Gerät bedient.
Die Authentifizierung erfolgt lokal auf dem Gerät, während im Hintergrund eine kryptografische Bestätigung der Transaktion stattfindet. Die Zahlungsabwicklung erfolgt über sichere Bankinfrastrukturen wie SEPA Instant Credit Transfer.
Der Mensch ist das Problem
Durch die Kombination aus Gerätebindung und lokaler Verifizierung bietet Wero Sicherheit einen maximal möglichen Schutzniveau gegen Phishing und unbefugte Zugriffe. Eine Schwachstelle ist allerdings immer noch der Mensch! Bitte beachten Sie diese 7 Sicherheits-Tipps.
Sind Passkeys die Zukunft?
Wird sich der Passkey-Login in den kommenden Jahren als Standard für sichere Anmeldungen etablieren?

Schreibe einen Kommentar