Wero und Digitaler Euro – was ist der Unterschied?

Cafe Wero vs Cafe Digitaler Euro

Wero oder Digitaler Euro? Unter dem Titel „Wir brauchen keine neue EZB-App“ hat die Süddeutsche Zeitung am 4. Mai 2026 ein Interview mit der EPI-Chefin Martina Weimert veröffentlicht, das aufgrund der Sticheleien gegen den Digitalen Euro für Irritationen sorgte.

Dieser Beitrag unternimmt den Versuch, die Unterschiede zwischen Wero und dem Digitalen Euro zu klären.

Wero vs Digitaler Euro – Markt oder Staat

Beim Ordnungsrahmen unterscheiden sich Wero und Digitaler Euro fundamental: Wero steht für den Markt, der Digitale Euro für den Staat.

Wero = Markt

Wero ist eine Initiative europäischen Banken und PSPs. Hinter dem Wero-Projekt steht die Idee, sich aus der Abhängigkeit von US-Anbietern wie PayPal, Google Pay, Apple Pay, Visa und Mastercard zu lösen und ein eigenes, wettbewerbsfähiges Zahlungssystem aufzubauen. Die Banken investieren für die Wero-Umsetzung eigenes Kapital, tragen das Risiko und hoffen mittelfristig auf Erträge. Wero ist damit ein klassisches Marktprojekt: Es muss sich im Alltag bewähren, Nutzer überzeugen und wirtschaftlich tragfähig sein.

Digitaler Euro = Staat

Der Digitale Euro ist ein Projekt der Europäischen Zentralbank (EZB) und damit staatlich initiiert. Das Ziel ist nicht Gewinn, sondern geldpolitische Souveränität. Der Digitale Euro ist, wie Bargeld, als ein gesetzliches Zahlungsmittel geplant. Nochmal zur Unterscheidung:

  • Wero ist eine Zahlungsart
  • Der Digitale Euro ist, wie Bargeld, ein Zahlungsmittel

Wero vs Digitaler Euro – die Kosten

Für die Endverbraucher spielen die Kosten eine sehr geringe Rolle, für die Banken und die Händler eine sehr große.

Wero = Beteiligte tragen Kosten

Wero wird von Banken und PSPs entwickelt und finanziert. Die beteiligten Akteure tragen das finanzielle Risiko, können aber auch Gewinne mit Wero erwirtschaften. Bezahlen müssen die beteiligten Händler, wobei die Wero-Gebühren erheblich niedriger sind als bei Margen für Paypal, Google Pay, Apple Pay, Visa und Mastercard.

Digitaler Euro = Alle tragen Kosten

Digitale Euro ist für die Banken mit erhebliche Kosten aufzubürden – ohne dass sie davon zwangsläufig profitieren. Die Infrastruktur und die Regeln kommen von der EZB. Die Banken werden zu Dienstleistern eines Systems, das sie weder kontrollieren noch monetarisieren können.

Wero ist ein Produkt, das Banken gehört. Der Digitale Euro ist eine Infrastruktur, die Banken nutzen müssen. Für die Banken ist das aus zwei Gründen problematisch:

  • Erstens entstehen erhebliche Investitionskosten. Die Integration des Digitalen Euro in bestehende Systeme, die Anpassung von IT und Sicherheit und Compliance – all das ist nicht umsonst zu haben.
  • Zeweitens sind die Einnahmemöglichkeiten begrenzt. Ein Geschäftsmodell wie bei Wero fehlt.

Das Problem der Kannibalisierung

Durch den Parallelbetrieb von Wero und Digitalem Euro droht eine Kannibalisierung. Wenn Kunden den Digitalen Euro zu einer Zahlung nutzen, tun sie das möglicherweise zu Lasten von Wero. Banken müssen also ein System mitfinanzieren, das ihnen ihre Einnahmequellen entzieht. Und auch die Händler könnten belastet werden – indem sie gezwungen werden, den Digitalen Euro als Zahlungsart zur Verfügung zu stellen.

Der digitale Euro schafft eine zweite Infrastruktur, die weitgehend noch einmal das Gleiche machen wird und die je nach finalem Design nur teuer für Händler und Banken wird.

Martina Weimert, EPI-CEO in der SZ.

Die EZB hält dagegen, dass der Digitale Euro kein Konkurrenzprodukt sei, sondern eine Ergänzung. Banken könnten weiterhin eigene Dienste entwickeln. Allerdings könnte die EZB-App für den Digitalen Euro mit den Banken-Apps konkurrieren.

Die Rolle der EZB-App

Wir können den Digitalen Euro den Verbrauchern anbieten, dafür brauchen wir keine neue EZB-App in unseren Märkten.

Martina Weimert, EPI-CEO in der SZ.

Sobald die EZB eine eigene Anwendung für Endnutzer bereitstellt, tritt sie in direkte Konkurrenz mit den Banken-Apps. Damit konkurriert eine staatlich gestützte Lösung mit privat finanzierten Produkten. Spätestens im Checkout der Onlineshops und am POS im Ladengeschäft müssen sich die Kunden zwischen Wero und Digitalem Euro unterscheiden.

Fazit

Wero steht für den Versuch der Banken, Europas Zahlungsverkehr aus eigener Kraft zu modernisieren. Der digitale Euro steht für den Anspruch der Staaten in Form der EZB, diese Modernisierung nicht dem Markt zu überlassen. Ob es sinnvoll ist, beides gleichzeitig voranzutreiben?

Möglicherweise geht der Schuss nach hinten los und die Banken wälzen die Kosten für den Digitalen Euro auf die Kunden – über die Erhöhung der Gebühren für die Kontoführung.

Portrait Bernd Schmitt

Welchen Nutzen hat der Digitale Euro? Bitte Kommentarfunktion nutzen.

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