Was ist d-you?

Logo von d-you

Was ist d-you? d-you ist Deutschlands „digitale Brieftasche“, so heißt es offiziell. Das ist allerdings untertrieben, denn der Platz in einer Brieftasche ist ja doch begrenzt. In d-you passt viel mehr rein, zwei Dutzend Leitzordner samt den darin enthaltenen Dokumenten sind kein Problem. Doch zunächst: Woher kommt der Name d-you und ab was soll da genau rein?

Heißt das nicht EUDI-Wallet?

d-you ist der Name für die deutsche Umsetzung der europäischen EUDI-Wallet. Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, kurz BMDS, hat den Namen und das Logo am 9. September 2026 vorgestellt. Starten soll d-you am 2. Januar 2027. Die Nutzung ist freiwillig und kostenlos.

Wofür steht d-you?

Der Name ist bewusst einfach gewählt: Das „d“ steht für „digital“ und „Deutschland“, während „you“ den Nutzer in den Mittelpunkt stellt. Der Nutzer packt in d-you diverse Nachweise rein, die üblicherweise von Ämtern, Schulen und Hochschulen, aber auch privaten Anbietern ausgesellt werden.

Was ist der Unterschied zwischen d-you, Digitalem Euro und Wero?

Blicken Sie noch durch? Die Tabelle zeigt die Unterschiede zwischen d-you, Digitalem Euro und Wero

NameZweckTräger
d-youSammlung von DokumentenStaat
Digitaler EuroGeldersatzStaat
WeroZahlungsartEPI

Was ist der Digitale Euro?

Der Digitale Euro ist eine geplante elektronische Form des Bargelds, die direkt von der Europäischen Zentralbank (EZB) herausgegeben wird. Der Digitale Euro funktioniert im Alltag wie Bargeld, nur eben digital auf dem Smartphone oder einer speziellen Karte. Weitere Merkmale:

  • Der Digitale Euro nimmt das physische Geld nicht weg, er ergänzt es.
  • Die Nutzung für Privatpersonen ist gratis.
  • Der Digitale Euro ist als Zahlungsmittel für den Euroraum konzipert.
  • Der Digitale Euro hat einen Offline-Modus: Das Bezahlen funktioniert auch ohne Internetverbindung.

Gerne verwechselt werden der Digitale Euro und Wero. Wero ist allerdings keine Währung, sondern eine Zahlungsmethode, vergleichbar mit Paypal.

Was ist Wero?

Die europäische Zahlungsart Wero wird von der European Payments Initiative (EPI) entwickelt. Mit Wero kann Geld in Echtzeit per Handynummer oder E-Mail-Adresse transferiert werden – ohne IBAN-Eingabe. Wero ist kontobasiert, das Geld wird direkt von Bankkonto zu Bankkonto gesendet.

  • Verfügbarkeit: Wero wird schrittweise in die Banking-Apps der beteiligten Banken integriert.
  • Einsatzgebiete: P2P („Überweisung an Freunde“), Online-Shopping und zukünftig auch Zahlungen im Ladengeschäft am POS.
  • Ziel: Mit Wero soll ein einheitliches europäisches Zahlungssystems etabliert werden.

Welche Dokumente sollen in d-you abrufbar sein?

Das d-you-Logo zeigt, was da rein kommt, nämlich Dokumente. d-you soll staatliche, schulische, universitäre und andere verifizierte Nachweise auf dem Smartphone verfügbar machen. Die Wallet soll also sowas wie eine amtliche digitale Sammelmappe werden.

Ersetzt d-you den Perso?

Ja, eine der wichtigsten Anwendungen zum Start ist die digitale Identität, also der Personalausweis. Nutzer sollen sich mit d-you online bei verschiedenen Diensten eindeutig ausweisen können, ohne jedes Mal eine Ausweiskopie hochzuladen oder ein separates Identifikationsverfahren durchlaufen zu müssen.

Das kann beispielsweise die Eröffnung eines Bankkontos erleichtern. Auch beim Abschluss eines Mobilfunkvertrags oder bei digitalen Verwaltungsleistungen kann die Wallet als Identitätsnachweis dienen. Nach Angaben des BMDS sollen bereits im Januar 2027 Anwendungen für Altersnachweise, Vertragsabschlüsse und Bankgeschäfte verfügbar sein.

Wird der Peronalausweis aus Plastik abgeschafft?

Nein, der gute alte Personalausweis als Plastikkarte bleibt bestehen. Aber die Plastikkarte kann in der Schublade bleiben, wenn der Ausweis in d-you verfügbar ist. Beispiel: Bei der Kontrolle des Deutschlandtickets ersetzt d-you das Vorzeigen der Plastikkarte.

Hält sich d-you an den Datenschutz?

d-you speichert nicht einfach nur Fotos vom Personalausweise oder Führerschein auf dem Handy ab. Die digitale Brieftasche arbeitet mit elektronisch verifizierbaren Nachweisen. Dadurch kann ein Anbieter überprüfen, ob ein bestimmter Nachweis tatsächlich von einer vertrauenswürdigen Stelle stammt.

Achtung, es geht dabei nur um bestimmte Nachweise! Diese Differenzierung ist für den Datenschutz wichtig. Wer beispielsweise nur nachweisen muss, dass er volljährig ist, soll nicht zwangsläufig seinen vollständigen Namen, seine Adresse oder sein Geburtsdatum offenlegen müssen. Stattdessen kann der notwendige Nachweis gezielt übermittelt werden.

Damit verfolgt d-you das Prinzip der Daten-Sparsamkeit: möglichst wenig Daten preisgeben, aber trotzdem eindeutig nachweisen können, was erforderlich ist.

Wo lagert d-you die Daten?

Ein zentraler Bestandteil von d-you ist, so das BMDS, die Kontrolle durch die Nutzerinnen und Nutzer. Nach Angaben des BMDS werden die Nachweise verschlüsselt auf dem eigenen Endgerät gespeichert. Eine zentrale Datenbank, in der sämtliche digitalen Ausweise aller Nutzer zusammengeführt werden, ist nicht Bestandteil des Konzepts.

Nutzerinnen und Nutzer sollen dabei selbst entscheiden, wann und wem ein digitaler Nachweis zur Verfügung gestellt wird. Damit unterscheidet sich d-you (hoffentlich) von Online-Verfahren, bei denen Unternehmen oder Behörden möglichst viele Informationen direkt abfragen.

Welche Organisationen sind an d-you beteiligt?

Zum Start Anfang 2027 sind rund 40 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung beteiligt. Dazu gehören unter anderem Banken, die Deutsche Post, Vodafone, die Bundesagentur für Arbeit, die Deutsche Rentenversicherung sowie verschiedene Bundesländer und Kommunen. Hier sind die Partner (Stand September 2026):

  • AKDB
  • A-Trust
  • Bundesagentur für Arbeit
  • Bundesdruckerei
  • Bundessteuerberaterkammer
  • Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e. V.
  • DATEV eG
  • Deutsche Post Adress GmbH & Co. KG
  • Deutsche Post AG
  • Deutsche Rentenversicherung Bund
  • Deutscher Sparkassen- und Giroverband
  • EON
  • esatus AG
  • euro-V
  • FP Digital Business Solutions GmbH
  • FU Berlin
  • Hamburger Verkehrsverbund GmbH
  • Handelsverband Deutschland – HDE e. V.
  • Hochschule Zittau/Görlitz
  • HTW Dresden
  • Immomio
  • KfW
  • Kontrollfeld
  • Land Baden-Württemberg
  • Landkreis Harz
  • Land Niedersachsen
  • Lindner Group KG
  • LVM
  • Mietz GmbH
  • Rossmann
  • Sproof
  • Stadt Aachen
  • Stadt Dresden
  • Stadt Heidelberg
  • Swisscom Trust Services
  • Technische Universität München
  • Universität Duisburg-Essen
  • Vodafone

Quelle: BMDS

Kommentar: Damit entsteht rund um d-you ein digitales Ökosystem. Sollte dieses Ökosystem funktionieren und genug Reichweite erhalten, wird d-you andere Apps ersetzen.

Sollte das Ökosystem scheitern, wird d-you in fünf Jahren wieder eingestampft.

Was bringt d-you für Banken und Onlinehandel

Vorteile bringt d-you für Unternehmen, die ihre Kunden zuverlässig identifizieren müssen. Ein paar Beispiele:

  • Banken können die Kontoeröffnung vereinfachen
  • Onlinehändler könnten das Alter eines Kunden überprüfen, ohne einen vollständigen Personalausweis einsehen zu müssen
  • Vertragsabschlüsse könnten einfacher werden. Statt persönliche Daten mehrfach in unterschiedliche Formulare einzutragen und anschließend mit einem Ident-Verfahren zu bestätigen, könnte der Nutzer einen geprüften digitalen Nachweis aus seiner Wallet freigeben.

Welche Aufgabe kommt mit d-you auf Unternehmen zu?

Unternehmen, die sich an d-you beteiligen möchten, müssen sich mit einer neuen technische Schnittstelle auseinandersetzen, sprich Programmierleistung bezahlen.

Wer einen Onlineshop oder ein sonstiges System betreibt und mit d-you verknüpfen will, muss sicher gehen, dass die digitalen Nachweise von d-you beziehungsweise der europäischen EUDI-Infrastruktur auch verarbeitet und geprüft werden können.

Ist d-you Teil eines europäischen Projekts?

Ja. Was d-you mit Wero gemein hat: Die deutsche Wallet ist kein isoliertes nationales Projekt. Grundlage für d-you ist die europäische EUDI-Wallet. Der digitaler Nachweis soll künftig nicht nur bei einer deutschen Behörde oder anderen Akzeptanzstelle funktionieren, sondern zukünftig auch bei Behörden und Unternehmen in anderen europäischen Ländern.

Damit könnte beispielsweise der Personalausweis aus Deutschland auch bei einer Bank, einem Händler oder einer Behörde in einem anderen EU-Mitgliedstaat in digitaler Form vorgelegt werden.

Ist d-you verpflichtend?

Nein, d-you soll freiwillig genutzt werden. Niemand muss seinen Personalausweis ausschließlich digital auf dem Smartphone führen. Der klassische Personalausweis bleibt also erhalten, ebenso die klassische Krankenkassenkarte, das Schulzeugnis aus Papier, der Meisterbrief und das Hochschulexamen.

Wird d-you von den Nutzerinnen und Nutzern akzeptiert?

d-you floppt, wenn sich zu wenig Nutzerinnen und Nutzer dafür begeistern. Dem Branchenverband Bitkom erklärten sich 54 Prozent der Befragten in einer Umfrage bereit, die digitale Brieftasche ab Januar zu nutzen.

Quelle: bitkom, April 2026

Gleichzeitig bereiteten sich bereits 170 Unternehmen auf den Einsatz von d-you vor.

Quelle: bitkom, April 2026

Wann startet d-you?

d-you startet am 2. Januar 2027.

Zusammenfassung

  • Mit d-you hat die deutsche EUDI-Wallet jetzt einen Namen und einen konkreten Starttermin. Die digitale Brieftasche soll Identitätsnachweise sicher auf dem Smartphone speichern und deren kontrollierte Weitergabe ermöglichen.
  • Aus Datenschutzgründen besteht für die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, nur die für einen bestimmten Vorgang notwendigen Informationen zu übermitteln.
  • Rund 40 Partner sollen zum Start konkrete Anwendungen anbieten, weitere Anbieter sollen folgen.
  • Wenn Banken, Händler, Behörden und andere Dienstleister d-you konsequent integrieren, könnte die App den Alltag erleichtern, zum Beispiel für die Gründung eines Unternehmens oder für Bewerbungen.

Kritik an d-you

Das klingt ganz prima:

Was in Deutschland mit d-you funktioniert, könnte irgendwann in ganz Europa – beim Grenzübertritt, beim Studienplatz, beim Jobwechsel oder beim Hauskauf im Ausland.

BMDS

Aber was passiert eigentlich, wenn das Smartphone seinen Geist aufgibt? Zentral gespeichert werden sollen die Daten ja nicht. Was muss ich unternehmen, um meinen Digitalen Leitzordner dauerhaft zu sichern? Dazu habe ich noch nichts gefunden.

Weitere Kritik fällt mir erstmal nicht ein. Ich bin ein schlampiger Unterlagen-Abhefter und die App kann das sicher besser als ich. Mir ist es Recht, wenn die Krankenkasse und die Rentenversicherung meine Daten alle beisammen hat. Vielleicht bin ich da aber auch zu naiv und unterschätze folgende Gefahren:

  • Totale Überwachung
  • Missbrauch meiner Daten durch Konzerne
  • Gefahren durch Hackerangriffe
Portrait Bernd Schmitt

Top oder Flop? Kommentare sind geöffnet.

Kommentare

4 Kommentare zu „Was ist d-you?“

  1. Avatar von Markus Braun
    Markus Braun

    Klar, damit wir künftig auch NOCH mehr persönliche Daten auf dem Smartphone haben, NOCH mehr Apps haben und NOCH abhängiger von dem Teil werden. Es nervt doch nur noch…

    1. Avatar von Bernd Schmitt

      Zur Zeit hab ich eine Elster-App, eine Krankenkassen-App, eine Ausweis-App und noch irgeneine Authenticator-App auf dem Smartphone, deren Sinn ich vergessen habe..
      Wenn ich die vier dann löschen kann, wär es prima.
      Aber die Frage ist natürlich: Wie stehe ich da, wenn das Smartphone seinen Geist aufgibt, oder das Betriebssystem die Anforderungen an die neueste App nicht mehr erfüllt..

      1. Avatar von Markus Braun
        Markus Braun

        Wäre das schön, wenn man sich all diese Apps sparen könnte und es einfach über den Browser geht. Genau wie bei Wero: Soll angeblich eine europäische Alternative unabhängig von den USA sein, aber man benötigt ein Smartphone mit Betriebssystem aus den USA (Android oder iOS). Dabei könnte das auch einfach über den Browser laufen – ganz ohne Smartphone. Hoffentlich kommen wir da noch hin.

        1. Avatar von Bernd Schmitt

          Ich werds nicht mehr erleben, dass die Sparkassen-App Ubuntu Touch priorisiert: https://www.ubuntu-touch.io/.
          Aber vielleicht ja noch Wero auf dem Bildschirm, ohne Smartphone.
          Naja, Wero ist jedenfalls mal, dank internationalem Konzept, ein Player, der es mit Paypal aufnehmen kann.

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