Commerzbank wird Drama-Queen

Commerzbank-Hochhaus. Text: Drama Queen

Frankfurt. Die Commerzbank ist zwar nur die zweitgrößte deutsche Geschäftsbank, steht aber in einem anderen Wettbewerb ganz oben auf der Siegertreppe: dem Drama-Queen-Contest.

Die Coba und die EPI

Die Commerzbank war Gründungsmitglied der European Payments Initiative (EPI), hat aber 2022 kalte Füße bekommen und ist aus der Wero-Entwicklung wieder ausgestiegen. Die Rolle rückwärts verkündete jetzt Coba-CEO Bettina Orlopp auf der Bilanz-Pressekonferenz: Das Wero-Projekt wird jetzt doch wieder für würdig befunden und die Commerzbank will wieder mitspielen. Aber nur ein bisschen, nicht als EPI-Gesellschafter, sondern als Mitmacherin, sprich Nutznießerin der Wero-Infrastruktur.

EPI trotzdem happy

Die EPI ist der Deal trotz dem etwas zaghaften Bekenntnis ein wichtiger Schritt, denn jetzt wird es für die noch verbliebenen Wero-Verweigerer langsam eng. Je länger sie warten, desto weiter schwimmen ihre Felle davon.

Hier geht es zur Wero Wero-Bankenliste Deutschland.

Bleibt die Commerzbank stabil?

Auf der Website der Commerzbank ist immer noch folgende Begründung zum Wero-Ausstieg zu finden:

„Die Commerzbank zählte zu den Gründungsmitgliedern von EPI – der European Payments Initiative –, da wir überzeugt sind, dass eine einheitliche, paneuropäische Bezahllösung große Mehrwerte für unsere Kunden bieten könnte. Als der regionale Scope von EPI substanziell reduziert wurde, standen Investitionen und Nutzen nicht mehr im richtigen Verhältnis.

“Quelle:Interview mit Simone Löfgen (12.6.2025)

Der Stand im Februar 2026: Für den „regionalen Scope“ ist seit dem Big Deal der EPI mit Bizum (Spanien), SIBS (Portugal), Bancomat (Italien) und Vipps (Skandinavien) gesorgt. Bleibt zu hoffen, dass es sich die Commerzbank nicht doch wieder anders überlegt.

Hausaufgabe: Wero in die App

Hausaufgabe der Commerzbank ist es jetzt, eine userfreundliche Wero-Funktion in die eigene Banking-App zu integrieren. Über den Erfolg dieser App darf sich dann auch die EPI freuen. Wenn sich die Wero-Funktion nämlich bei den Kundinnnen und Kunden erst einmal etabliert hat, kann und wird die Coba nicht so schnell wieder das Handtuch werfen.

Geld ist reichlich vorhanden

Die Finanzwelt hat lange darüber spekuliert, ob sich die Coba deshalb windet, weil sie noch ihre Wunden lecken muss – nach ihrem Engagement für die beiden gescheiterten Wero-Vorgänger Paydirekt und Giropay.

Woran scheiterte Paydirekt?
  • Später Markteintritt
    Paydirekt wurde 2014 von deutschen Banken und Sparkassen ins Leben gerufen, um einen eigenen, sicheren Zahlungsdienst als Konkurrenz zu PayPal zu schaffen. Allerdings konnte Paydirekt nie richtig Fuß fassen. Als Paydirekt 2015 live ging, war PayPal bereits im Markt verankert. Millionen Deutsche nutzten es regelmäßig, viele Händler hatten es fest integriert. Paydirekt kam zu spät, um noch als ernsthafte Alternative wahrgenommen zu werden.
  • Komplizierte Registrierung
    Im Gegensatz zu PayPal war die Nutzerregistrierung bei Paydirekt umständlich. Kunden mussten sich über ihre Bank oder Sparkasse registrieren, was von Institut zu Institut unterschiedlich funktionierte. Das sorgte für Verwirrung und Abbrüche bei der Anmeldung.
  • Ländergrenzen
    Paydirekt, Kwitt und Giropay waren rein deutsche Zahlungsmethoden.
  • Händler waren Bittsteller, keine Partner
    Für Händler war die Integration von Paydirekt technisch aufwendiger und teurer. Für die Integration von Paydirekt mit den weit verbreiteten Shopsystemen WooCommerce und Shopware wurden keine kostenloses Plugins zur Verfügung gestellt. Paydirekt-Händler, sofern es sie überhaupt gab, waren auf teure und wenig verbreitete Module des Anbieters sellxed angewiesen. Dort ist nun zu lesen: „Dieses Modul wurde eingestellt.“ Für unabhängige Händler fehlte jeglicher technische oder finanzielle Anreiz, Paydirekt anzubieten. Und auch die großen Plattformen wie Amazon, eBay und Etsy zeigten kein Interesse.
  • Mangelnde Innovation
    Paydirekt konnte keine Alleinstellungsmerkmale bieten. Technisch und funktional hinkte der Dienst hinter PayPal, Klarna oder Apple Pay hinterher.
  • Zerstrittene Banken
    Paydirekt, ein Gemeinschaftsprojekt der deutschen Banken, war von internen Interessenkonflikten überschattet. Jede Bank verfolgte eigene Strategien und einige starteten sogar Konkurrenzprodukte zu Paydirekt.
  • Kaum Marketing
    Die Markenbekanntheit von Paydirekt war gering. Viele Kunden wussten nicht, dass es den Dienst gibt – oder verwechselten ihn mit Giropay, Sofortüberweisung oder anderen Anbietern.
Woran scheiterte Giropay?
  • Später Markteintritt
    Wie auch Paydirekt kam Giropay auf den Markt, als PayPal bereits verankert war.
  • Zu wenig Schnittstellen
    Doch auch Giropay hatte zu wenig kostenlose und unkomplizierte Schnittstellen zu WooCommerce und anderen Shopsystemen.
  • Ländergrenzen
    Auch Giropay ware eine rein deutsche Zahlungsmethode.
  • Händler waren Bittsteller, keine Partner
    Wie schon bei Paydirekt: Kein Entgegenkommen zu den Händlern.
  • Mangelnde Innovation
    Wie bei Paydirekt: keine Alleinstellungsmerkmale.
  • Zerstrittene Banken
    Wie bei Paydirekt: Jede Bank verfolgte eigene Strategien, einige starteten sogar Konkurrenzprodukte zu Paydirekt.
  • Kaum Marketing
    Die Markenbekanntheit von Giropay war so gering wie bei Giropay.

Jetzt haben sich die Rahmenbedingungen allerdings geändert. Nicht nur das Wero-Projekt nimmt Fahrt auf, auch die Coba ist gut im Geschäft. Ein Blick auf die Jahresbilanz 2025 zeigt: Geld ist reichlich vorhanden, die Commerzbank feiert Rekordergebnisse:

  • Operatives Ergebnis im Geschäftsjahr 2025 um 18 % auf 4,5 Mrd. Euro gesteigert
  • Nettoergebnis bei 2,6 Mrd. Euro – trotz Restrukturierungsaufwendungen von 562 Mio. Euro
  • Erträge um 10 % auf 12,2 Mrd. Euro erhöht – Firmenkunden-Kreditvolumen um 10 % gesteigert
  • Provisionsüberschuss wie angestrebt deutlich um 7 % auf 4 Mrd. Euro gewachsen
  • Zinsüberschuss trotz gesunkener Leitzinsen mit 8,2 Mrd. Euro nahezu auf hohem Niveau des Vorjahres
  • Cost-Income-Ratio um 2 Prozentpunkte auf Jahresziel von 57 % verbessert
  • Stabiles Risikoergebnis von minus 722 Mio. Euro – NPE-Ratio unverändert bei 1,1 %
  • Nettoeigenkapitalrendite mit 8,7 % deutlich über Ziel – vor Restrukturierungsaufwendungen bei 10,0 %
  • Kapitalrückgabe für 2025 um knapp 1 Mrd. Euro auf 2,7 Mrd. Euro erhöht – deutlich erhöhte Dividende von 1,10 Euro je Aktie (2024: 0,65 Euro) geplant
  • Ausblick 2026: Nettoergebnis über ursprünglichem Ziel von 3,2 Mrd. Euro erwartet

Quelle: Commerzbank