Comdirect schließt sich Wero an

Logos con Comdirect und Wero

Frankfurt. Die Mutter Commerzbank hat sich nach langem Hin und Her zu Wero bekannt, jetzt hat sich auch die Tochter dazu geäußert. Wobei Tochter nicht ganz richtig ist, denn seit November 2020 ist die in den Neunzigern gestartete Ausgründung Comdirect wieder komplett in den Schoß den Mutter zurückgekehrt. Mit Haut und Haaren. Die Comdirect ist also nicht mehr eigenständig. Aber zurück zum Thema, es geht um die neue europäische Zahlungsart, es geht um Wero.

Die Comdirect wird Wero-Bank. Aber wann?

Die Comdirect bietet schrittweise, ein Datum wurde nicht genannt, ihren Kundinnen und Kunden das europäischen Bezahlsystem Wero an. Verkündet wurde der Entschluss allerdings nicht auf einer großen Party, sondern mittels einer kleinen Fußnote, hinterlassen auf dem Comdirect-Forum. Begeisterung sieht anders aus.

Auch Comdirect führt Wero ein

„Wie bereits von unserer Konzernchefin angekündigt, wird die Commerzbank ihren Kunden Wero zur Verfügung stellen. Gespräche zur Zusammenarbeit mit Wero und der schrittweisen Einführung sind gestartet. Die Aussage von Bettina Orlopp bezieht sich auf beide Marken.“

Ines, Social-Media-Team Commerzbank 13.02.2026

Das Thema Wero ist noch frisch

Drei Tage nach dem zaghaften Wero-Bekenntnis folgte heute diese Aussage auf dem Comdirect-Forum:

Da das Thema noch sehr frisch ist, gehe ich davon aus, dass wir erst in den nächsten Wochen mehr zu der Einführung erfahren werden.

Ines, Social-Media-Team Commerzbank, 16.02.2026

Kommentar

Das Thema Wero ist „noch sehr frisch“? Wie bitte? Was ist da nur im Frankfurter Bankenviertel los? Das ist schon eine sehr interessante Aussage für eine Bank, die immerhin zu den Gründungsmitgliedern der EPI zählt. Was soll das genau heißen, liebe Comdirect-CEOs? Ihr kommt doch nicht etwa auf die Idee, samt der Commerzbank wieder einen Wero-Rückzieher zu machen?

Das könnt ihr machen, aber dann überholt euch noch eine ähnlich agile Direktbank. Die 1822direkt, ein Unternehmen der Frankfurter Sparkasse. Oder die Consorsbank.


Unternehmensgeschichte der Comdirect

1994: Die Comdirect-Gründung

Die Comdirect Bank AG wurde 1994 gegründet und nahm zunächst als Wertpapier-Broker ihre Tätigkeit auf. Ziel war es, privaten Anlegern einen einfachen und kostengünstigen Zugang zu Börsen und Finanzprodukten zu ermöglichen. Anders als klassische Filialbanken setzte die Comdirect von Beginn an auf ein Geschäftsmodell ohne eigenes Filialnetz. Der Kundenkontakt sollte vor allem über E-Mail und Telefon-Banking, später übers Internet und Apps erfolgen.

1999: Der Comdirect-Börsengang

Mit der zunehmenden Verbreitung des Internets in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre entwickelte sich die Direktbank schnell zu einem der wichtigsten Anbieter für Online-Brokerage in Deutschland. 1999 ging die Comdirect Bank an die Börse. Der Börsengang fand in einer Phase statt, in der Technologie- und Internetunternehmen stark im Fokus der Kapitalmärkte standen. Die Bank nutzte die neuen Mittel, um ihre technische Infrastruktur auszubauen und ihr Angebot zu erweitern.

2000: Die Dotcom-Blase

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase Anfang der 2000er-Jahre musste auch die Comdirect Bank ihre Strategie anpassen. Während viele Internetunternehmen in Schwierigkeiten gerieten, stabilisierte sich das Geschäftsmodell der Direktbank durch die Ausweitung ihres Produktportfolios. Neben dem Wertpapierhandel wurden nun verstärkt Girokonten, Tagesgeldkonten, Kredite und weitere Bankdienstleistungen angeboten. Dadurch entwickelte sich das Unternehmen schrittweise von einem reinen Online-Broker zu einer vollwertigen Direktbank.

Der Niedergang der Dotcom-Unternehmen

Viele Firmen, die Ende der 90er Jahre gründet wurden, hatten kein funktionierendes Geschäftsmodel, extrem hohe Marketingkosten und unrealistische Wachstumsannahmen. Und kaum Einnahmen trotz hoher Bewertung. Investoren plötzlich Gewinne sehen wollten, brach das System zusammen. Was sie vereinte, war das .dot im Namen. Diese Firmen gibt heute nicht mehr:

Gigabell

Einer der ersten großen Skandale. Internetanbieter aus Dortmund, 2000 insolvent – viele Anleger verloren ihr Geld.

Metabox

Versprach revolutionäres Internet-TV, lieferte aber kaum Produkte

EM.TV

Durch Bilanzskandal tief gefallen

Pets.com

Eines der berühmtesten Beispiele. Trotz hoher Bekanntheit (Sock Puppet Werbung) ging das Unternehmen 2000 pleite.

Webvan

Lieferdienst für Lebensmittel, der massiv expandierte, aber nie profitabel wurde.

Boo.com

Versuchte Ende der 90er ein komplexes Online-Shopping-Erlebnis – technisch zu früh und zu teuer.

eToys

Konkurrenz zu Toys“R”Us, meldete 2001 Insolvenz an.

Flooz.com

Frühes digitales Bezahlsystem, scheiterte u. a. durch Betrug und fehlendes Vertrauen.

Die Abkopplung der Aktienkurse von fundamentalen Unternehmensdaten musste früher oder später schief gehen. Diese beiden Unternehmen überlebt die Krise allerdings:

  • Amazon
  • eBay

NASDAQ und der Neue Markt

Deutlich zeigte sich das Platzen der Blase am NASDAQ-Index und am deutschen Pendent, dem „Neuen Markt“. Der NEMAX 50 repräsentierte von Juli 1999 bis Ende 2004 die 50 größten Technologieunternehmen am „Neuen Markt“ der Frankfurter Wertpapierbörse. Vor dem Crash stark nachgefragt waren die Papiere von EM.TV, Metabox, Intershop und Lycos. Kennzeichen des Nemax:

  • Extreme Bewertungen (KGV oft irrelevant)
  • Pressemeldungen und Klicks wurden höher bewertet als Profite
  • Viele Privatanleger waren investiert („Volksaktien“-Mentalität)
  • Kurssteigerungen von 1000 % waren keine Seltenheit, danach folgten Abstürze um 99 % bis zum Totalverlust

Der Aufstieg der Onlinebroker

Die Kursexplosionen bei NASDAQ und NEMAX zog immer mehr Anleger an, darunter auch viele Privatinvestoren, die erstmals über Online-Broker wie Comdirect oder Consors am Börsenhandel teilnahmen.

Der Börsencrash von 2000

Der Crash begann im März 2000, als überbewertete Technologieaktien einbrachen. Nach einem extremen Hype um Internet-Startups fielen die Kurse über Jahre hinweg, was Billionen an Kapital vernichtete. Viele Unternehmen gingen pleite, während Anleger massive Verluste verzeichneten. Privatanleger, die Aktien auf Kredit gekauft hatten, mussten Insolvenz anmelden.

Aktiver Wertpapierhandel

In den folgenden Jahren setzte die Comdirect auf Innovation im digitalen Banking. Sie investierte in mobile Anwendungen profilierte sich als Anbieter für selbstbestimmtes Banking und aktiven Wertpapierhandel.

2008: Beginn der Finanzkrise

Während der Finanzkrise 2008 / 2009 wurde die Commerzbank AG mit Steuermitteln gestützt und teilweise verstaatlicht. Für die Comdirect hatte die Finanzkrise jedoch keine gravierenden Folgen, sie blieb wirtschaftlich stabil.

2020: Commerzbank erwirbt Aktienmehrheit

Im Jahr 2020 übernahm die Commerzbank AG die Mehrheit der noch frei gehandelten Aktien der Comdirect und leitete eine vollständige Integration ein. Die Comdirect Bank wurde daraufhin schrittweise organisatorisch und technisch in die Strukturen der Commerzbank eingebunden.

Comdirect verliert Eigenständigkeit

Im November 2020 wurde die Comdirect Bank AG schließlich auf die Commerzbank AG verschmolzen. Damit endete die rechtliche Eigenständigkeit der Direktbank. Die Marke Comdirect blieb jedoch weiterhin im Markt präsent und wird bis heute für digitale Banking- und Brokerage-Angebote genutzt.