Braucht Wero immer noch AWS?

Wero- und Amazon-Männchen in inniger Umarmung

Update 12.9.2026: Ich bin zwar ein überzeugter Wero-Fanboy und veröffentliche täglich Jubel-Beiträge zu meinem Lieblings-Bezahlsystem, aber eine Sache verunsichert mich immer noch. Es geht um die offiziellen Websites von EPI und Wero, also um diese beiden hier:

Auf welchem Server läuft epicompany.eu?

Wer herausfinden will, auf welchem Server epicompany.eu läuft, gibt die URL hier beim DNS-Checker ein: DNS-Checker. So sieht das Ergebnis aus:

Das Ergebnis, Stand 12.9.2026: Die amtliche EPI – Website läuft auf einem Servern eines niederländischen Hosters. So soll das sein!

Auf welchem Server läuft wero-wallet.eu?

Jetzt kommt der zweite Check: Auf welchem Server läuft wero-wallet.eu? Auch hier wird der DNS-Checker angeworfen: DNS-Checker. So sieht das traurige Ergebnis aus:

Das Ergebnis, Stand 12.9.2026, ist eindeutig: Die offizielle Wero-Website, betrieben von der EPI, der European Payments Initiative, läuft immer noch auf den Servern der US-Firma Amazon Technologies Inc.

Hintergrundwissen: Domain und DNS

Das Domain Name System (DNS) ist so etwas wie das „Telefonbuch des Internets“. Wenn Sie eine Webadresse wie wero-wallet.eu eingeben, übersetzt DNS diese in eine IP-Adresse, damit Ihr Browser weiß, zu welchem Server er verbinden muss. Ohne DNS müssten Sie sich statt Namen wie wero-wallet.eu komplizierte Zahlenfolgen merken.

Schritt für Schritt: Was passiert bei https://wero-wallet.eu

1. Sie geben die Domain ein

Sie tippen https://wero-wallet.eu in Ihren Browser.
Der Browser erkennt dabei:

  • https = Protokoll
  • wero-wallet.eu = Domainname

2. Anfrage an einen DNS-Resolver

Ihr Gerät fragt einen DNS-Resolver (z. B. vom Internetanbieter):
„Welche IP-Adresse gehört zu wero-wallet.eu?“

3. Nameserver werden abgefragt

Falls die Antwort nicht gespeichert ist, läuft eine Abfragekette ab:

  • Root-Server → verweisen auf die zuständigen Server für .eu
  • TLD-Server (.eu) → verweisen auf die Nameserver von wero-wallet.eu
  • Autoritativer Nameserver → kennt die echte IP-Adresse

4. DNS liefert die IP-Adresse

Der wichtigste Eintrag ist der A-Record:

  • wero-wallet.eu → 142.93.239.121

Das ist die tatsächliche Adresse des Servers.

5. Verbindung zum Webserver

Nun verbindet sich Ihr Browser mit dieser IP-Adresse und lädt die Website über HTTPS.

Wichtige DNS-Einträge bei dieser Domain

Typische DNS-Einträge sind:

  • A-Record → verbindet Domain mit IPv4-Adresse
  • AAAA-Record → IPv6-Adresse
  • MX-Record → zuständig für E-Mails
  • NS-Record → legt fest, welche Nameserver verantwortlich sind

Diese Einträge bestimmen, wohin verschiedene Arten von Internetverkehr geleitet werden.

Die Aufgabe des DNS

DNS sorgt dafür, dass Sie sich keine IP-Adressen merken müssen. Es macht das Internet benutzbar und steuert nicht nur Websites, sondern auch Dienste wie E-Mail.

Kurz zusammengefasst am Beispiel wero-wallet.eu

Wenn Sie wero-wallet.eu aufrufen, passiert Folgendes:

  1. Ihr Browser fragt DNS nach der IP-Adresse
  2. DNS antwortet mit 142.93.239.121
  3. Ihr Browser verbindet sich mit dieser Adresse
  4. Die Website wird geladen
Die Geschichte von Amazon AWS

Der Cloud-Dienst Amazon Web Services, meist als AWS bezeichnet, entstand innerhalb des US-amerikanischen Unternehmens Amazon. Anfang der 2000er Jahre erkannte Amazon-Boss Jeff Bezoz, dass seine intern entwickelte IT-Infrastruktur nicht nur für den eigenen Onlinehandel geeignet war, sondern auch als Dienstleistung für externe Entwickler und Unternehmen angeboten werden konnte.

Offizieller Start von AWS

Amazon Web Services wurde 2006 offiziell gestartet. Zu den ersten zentralen Angeboten gehörten der Speicherdienst S3 (Simple Storage Service) und die Rechenplattform EC2 (Elastic Compute Cloud). Diese Dienste ermöglichten es Nutzern erstmals in größerem Umfang, flexibel skalierbare IT-Ressourcen nach Bedarf zu nutzen.

Das Cloud-Konzept entwickelte sich ab Mitte der Nuller-Jahre zu einem eigenständigen Marktsegment innerhalb der IT-Branche. AWS spielte dabei eine maßgebliche Rolle in der frühen Etablierung von Clouddiensten.

Wachstum und Ausbau von AWS

In den folgenden Jahren erweiterte AWS sein Portfolio kontinuierlich. Neben grundlegenden Infrastrukturdiensten kamen Datenbanklösungen, Analysewerkzeuge, Content-Delivery-Netzwerke (CDNs) und später auch Dienste für künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen hinzu.

Das AWS-Angebot wurde zunehmend modular aufgebaut, Unternehmen konnten einzelne Komponenten je nach Bedarf kombinieren. Parallel dazu investierte Amazon AWS in den Aufbau globaler Rechenzentren, um die Dienste weltweit mit geringer Latenz anbieten zu können.

Die Marktmacht von AWS

AWS entwickelte sich zu einem führenden Anbieter im Cloud-Computing-Markt. Zu den wichtigsten Wettbewerbern zählen unter anderem Microsoft mit seiner Azure-Cloud sowie Google mit Google Cloud.

Durch seine frühe Marktpräsenz konnte AWS eine starke Stellung aufbauen und eine große Zahl von Kunden gewinnen, darunter Start-ups, etablierte Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Viele bekannte Internetdienste basieren ganz oder teilweise auf der Infrastruktur von AWS.

AWS seit den 2010er Jahren

Seit den 2010er Jahren hat sich AWS von einem Infrastruktur-Anbieter zu einer umfassenden Cloud-Plattform entwickelt. Neben klassischen IT-Ressourcen bietet das Amazon AWS auch spezialisierte Dienste für Big Data, Internet der Dinge und serverlose Architekturen an.

AWS heute

Heute ist Amazon Web Services ein zentraler Bestandteil des Gesamtkonzerns Amazon und trägt wesentlich zu dessen Umsatz und Gewinn bei. AWS gilt als einer der wichtigsten Anbieter im Bereich Cloud Computing.

Die Entwicklung von AWS zeigt den Übergang von unternehmensinterner IT-Infrastruktur zu einer global verfügbaren Plattform, die ihre Ressourcen gegen Bezahlung auch für konkurrierende Unternehmen bereitstellt. Damit ist AWS auch ein Vorbild für die AKtivitäten der Schwarz-Gruppe – mit einem Unterschied: Die Server der Schwarz-Gruppe sind dem Zugriff der US-Administration entzogen.

Wo EU drauf steht, ist US drin

Fazit: Das .eu in wero-wallet.eu ist ein Etikettenschwindel. Wo EU drauf steht, ist US drin. Made in Europe? Nein. Reduziert Wero die Abhängigkeit von internationalen Providern, wie es in diesem EPI-Statement heißt? Hm, anscheinend wird das noch eine Weile dauern. Aber wieso? Der Umzug einer einfachen Website ist doch heute schnell und unkompliziert erledigt.

Kommentar: Hallo EPI, bitte nach Europa umziehen

wero-wallet.eu ist eine einfache Website mit einem Sprachewahl-Schalter und einer Blogfunktion. So schwierig ist das nicht, damit zu einem soliden europäischen Hoster umzuziehen. Bitte liebe EPI, erledigt den Website-Umzug und gewinnt Glaubwürdigkeit bei eurer Fanbase zurück!

Zur Erinnerung: Die EPI hat bei einem viel komplexeren Projekt, nämlich bei den Clouddiensten zur Abwicklung der Wero-Transaktionen Besserung versprochen. Da braucht es etwas Zeit, okay.

Wie wäre es, inzwischen mal die kleinen Hausaufgaben zu erledigen?

Nett wäre auch mal eine Pressemeldung zu den Zukunftsplänen für die Wero-Cloud. Leistungsfähige europäische Clouddienste sind, sofern noch nicht verfügbar, in Zukunft mit Sicherheit vorhanden. Zum Beispiel im neuen Serverzentrum der Schwarz-Gruppe. In Dummerstorf bei Rostock soll ein riesiges Rechenzentrum für den weltweiten Datenverkehr gebaut werden. Siehe dazu diesen Beitrag: Welche Cloud macht das Wero-Rennen?

Portrait Bernd Schmitt

Wann zieht wero-wallet.eu nach Europa?

Kommentare

4 Kommentare zu „Braucht Wero immer noch AWS?“

  1. Avatar von Philipp
    Philipp

    Immer diese Tekkis, die Webseiten bei Amazon und sonstwo registrieren 😉

    1. Avatar von Bernd Schmitt
  2. Avatar von Sudo

    Es gibt noch ein paar weitere Baustellen, wie im Artikel angesprochen die Abwicklung der Wero-Transaktionen, aber YouTube Videos und auch die Support Funktion (einfach mal die Cookie Bestimmungen auf der Webseite angucken da sind nochmal einige US Anbieter dabei):
    Hier wird „wero-support.zendesk.com“ eingesetzt.
    Zendesk ist ein US Unternehmen, welches die Server ebenfalls bei AWS in den USA hostet, wer in der APP oder auf der Webseite die Support Funktion nutzt sendet Daten in die USA.

    Bei der App liegt auch noch einiges mehr im argen, aber damit vielleicht ein ander mal mehr.
    Fürs erste sollten die Transaktionen bei EUropäischen Anbietern abgewickelt werden, die Supportfunktion ohne US Server Nutzbar sein und die APP außerhalb des iOS und PlayStores verfügbar gemacht werden.

    1. Avatar von Bernd Schmitt

      Danke für die Infos, da ist also auch im Supportbereich noch viel Made without Europe enthalten..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert