Die Schwarz-Gruppe, der Mutterkonzern von Lidl und Kaufland, plant in Dummerstorf bei Rostock den Bau eines gigantischen Rechenzentrums:
| Rechenzentrum Rostock | |
|---|---|
| Funktion | Clouddienste & Cyber-Sicherheit |
| Kosten | 5,6 Mrd. Euro |
| Kapazität | 240 Megawatt bis 2033 |
Quelle: Tagesschau
Schwarz Digits vs Amazon AWS
Mit dem neuen Rechenzentrum von Schwarz Digits entsteht endlich eine solide europäische Alternative zu Amazons Clouddienst AWS, bei dem ja zur Zeit noch Wero-Daten gelagert sind – die EPI hatte Besserung versprochen.
Wer macht das Wero-Rennen?
Die Schwarz-Gruppe ist allerdings nicht der einzige Anbieter für europäische Clouddienste. Noch im Rennen um die Wero-Cloud dürften sich folgende Anbieter befinden:
- Ionos
- Otto-Gruppe
- OVH
Ionos und die Otto-Gruppe zählen zu den führenden deutschen Cloud-Anbietern, der französische Cloudanbieter OVH verbuchte im Frühjahr 2026 einen Auftrag des Auswärtige Amts, wie das Handelsblatt berichtete. Das Rennen um die Wero-Cloud bleibt spannend.
Für die Wahl des Standorts an der Ostsee spielt die Energieversorgung die Hauptrolle. Schwarz Digits setzt nämlich auf Windenergie. Da stellt sich natürlich die Frage, wie viele Windräder das Rechenzentrum an der Ostsee benötigt.
Wie viele Windräder braucht das Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe?
240 Megawatt: Diese Zahl steht im Mittelpunkt der Planungen für das neue Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe in Dummerstorf bei Rostock. Bis 2033 soll dort zunächst eine Rechenzentrumsleistung von 240 Megawatt entstehen. Doch wie viele Windräder sind notwendig, um ein Rechenzentrum dieser Größenordnung mit Windenergie zu versorgen?
Einse sehr vereinfachte Antwort lautet: Je nach Größe und Auslastung der Windkraftanlagen wären es grob zwischen 50 und 100 moderne Onshore-Windräder. Bei größeren Anlagen kann die Zahl deutlich niedriger liegen. Für eine belastbare Betrachtung muss allerdings zwischen Leistung und Energie unterschieden werden.
240 Megawatt sind nicht 240 Megawattstunden
Die 240 Megawatt beschreiben zunächst die elektrische Leistung, die am Standort verfügbar sein soll. Würde das Rechenzentrum diese Leistung tatsächlich rund um die Uhr und das ganze Jahr vollständig abrufen, ergäbe sich ein theoretischer Jahresverbrauch von rund 2,1 Terawattstunden.
Die (leider zu einfache) Rechnung: 240 Megawatt multipliziert mit 8.760 Stunden eines Jahres ergeben 2.102.400 Megawattstunden beziehungsweise rund 2,1 Terawattstunden.
Ein Windrad liefert nicht dauerhaft seine Nennleistung
Die genauere Rechnung. Ein Windrad mit beispielsweise 5 Megawatt Nennleistung produziert nicht automatisch 5 Megawatt in jeder Stunde. Die tatsächliche Stromproduktion hängt vom Wind ab.
Für die Jahresproduktion ist deshalb der sogenannte Kapazitätsfaktor entscheidend. Ein modernes Onshore-Windrad kann je nach Standort und Anlagentyp beispielsweise auf eine durchschnittliche Auslastung von rund 30 bis 40 Prozent kommen.
Nehmen wir für eine überschlägige Rechnung ein Windrad mit 5 Megawatt Nennleistung und einen Kapazitätsfaktor von 35 Prozent. Dann erzeugt es rechnerisch im Durchschnitt 1,75 Megawatt. Über ein Jahr entspricht das etwa 15.330 Megawattstunden oder 15,3 Gigawattstunden.
Um die theoretisch benötigten 2,1 Terawattstunden zu erzeugen, wären damit rund 137 solcher Windräder erforderlich.
Mit größeren Windrädern sinkt die Zahl
Die Anzahl der benötigten Windräder sinkt deutlich, wenn größere Windkraftanlagen eingesetzt werden. Moderne Onshore-Anlagen können inzwischen Nennleistungen von deutlich mehr als 5 Megawatt erreichen. Offshore-Windräder kommen auf noch höhere Leistungen.
Nehmen wir beispielsweise ein 7-Megawatt-Windrad mit einem Kapazitätsfaktor von 40 Prozent. Eine solche Anlage würde rechnerisch durchschnittlich 2,8 Megawatt liefern und damit rund 24,5 Gigawattstunden pro Jahr erzeugen.
Für 2,1 Terawattstunden wären unter diesen Annahmen rund 86 Windräder notwendig.
Bei einem 7-Megawatt-Windrad mit 45 Prozent Auslastung wären es sogar nur rund 78 Anlagen.
Die Größenordnung liegt damit bei modernen Onshore-Anlagen eher bei mehreren Dutzend bis etwa hundert Windrädern, wenn man den gesamten theoretischen Jahresenergiebedarf des 240-Megawatt-Standorts ausschließlich rechnerisch einer Windstromerzeugung zuordnet.
Offshore-Windkraft verbessert die Auslastung
Noch kleiner wird die Zahl bei Offshore-Windkraft. Auf See herrschen im Durchschnitt stärkere und gleichmäßigere Windverhältnisse. Gleichzeitig sind die Anlagen deutlich größer.
Ein Offshore-Windrad mit 15 Megawatt Leistung und einem Kapazitätsfaktor von beispielsweise 50 Prozent würde rechnerisch durchschnittlich 7,5 Megawatt liefern. Im Jahr käme es damit auf etwa 65,7 Gigawattstunden.
Für 2,1 Terawattstunden wären unter dieser Modellrechnung etwa 32 solcher Offshore-Windräder erforderlich.
Der Standort der Windräder
Die Schwarz-Gruppe muss die 86 Windräder nicht unmittelbar neben dem Rechenzentrum errichten.
Das Rechenzentrum wird an das Stromnetz angeschlossen. Der Strom kommt physikalisch aus dem gesamten Netz und lässt sich nicht einzelnen Windrädern zuordnen. Wenn im Norden Deutschlands Windparks Strom produzieren, fließt dieser Strom in das überregionale Netz und kann damit auch den Strombedarf großer Verbraucher decken.
Das Zusammenspiel von Energie und Netz
Für Dummerstorf ist deshalb nicht allein entscheidend, wie viele Windräder rechnerisch 240 Megawatt erzeugen könnten. Entscheidend ist vielmehr, ob ausreichend erneuerbarer Strom vorhanden und gleichzeitig die notwendige Netzkapazität verfügbar ist.
Die Schwarz-Gruppe plant für den Standort eine Anbindung an das 380-Kilovolt-Netz. Was konkret bedeutet:
- Auf der einen Seite entstehen Windparks in Mecklenburg-Vorpommern und der Ostsee.
- Auf der anderen Seite entsteht ein neuer Großverbraucher mit einem erheblichen und möglichst kontinuierlichen Strombedarf.
240 Megawatt sind nur der Anfang
Für Rostock besteht perspektivisch die Möglichkeit, die Leistung bis 2045 auf bis zu ein Gigawatt auszubauen.
- Ein Gigawatt entspricht mehr als dem Vierfachen der zunächst geplanten 240 Megawatt. Würde man auch diese Leistung theoretisch rund um die Uhr betreiben, ergäbe sich ein Jahresenergiebedarf von rund 8,76 Terawattstunden.
- Bei 7-Megawatt-Onshore-Windrädern und einem Kapazitätsfaktor von 40 Prozent wären dafür rechnerisch etwa 319 Anlagen notwendig.
- Bei 15-Megawatt-Offshore-Windrädern und einem Kapazitätsfaktor von 50 Prozent wären es dagegen rund 133 Anlagen.


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