Welche Cloud gewinnt das Wero-Rennen?

Europa reitet auf einem Stier und verabschiedet sich von Amazon AWS

Die Schwarz-Gruppe, der Mutterkonzern von Lidl und Kaufland, plant in Dummerstorf bei Rostock den Bau eines gigantischen Rechenzentrums:

Rechenzentrum Rostock
FunktionClouddienste & Cyber-Sicherheit
Kosten5,6 Mrd. Euro
Kapazität240 Megawatt bis 2033

Quelle: Tagesschau

Schwarz Digits vs Amazon AWS

Mit dem neuen Rechenzentrum von Schwarz Digits entsteht endlich eine solide europäische Alternative zu Amazons Clouddienst AWS, bei dem ja zur Zeit noch Wero-Daten gelagert sind – die EPI hatte Besserung versprochen.

Was ist Schwarz Digits?

Schwarz Digits ist die IT- und Digitalsparte der Schwarz-Gruppe. Sie bietet digitale Produkte und Services, die den hohen deutschen Datenschutzstandards entsprechen.

Digitale Souveränität

  • Schwarz Digits entwickelt die IT-Infrastruktur und Lösungen für das umfangreiche Ökosystem der Unternehmen der Schwarz-Gruppe, aber auch darüber hinaus.
  • Schwarz Digits richtet sich auch an Endkunden, Unternehmen und Organisationen der öffentlichen Hand.
  • Zu den Kernleistungen von Schwarz Digits gehören Cloud, Cyber Security, Data und AI, Communication und Workspace.

Quelle: Schwarz-Gruppe

Die STACKIT-Cloud von Schwarz Digits

Mit Schwarz Digits hat die Schwarz-Gruppe eine eigene IT- und Digitalsparte aufgebaut, zu der unter anderem der Cloud-Anbieter STACKIT gehört. Die technische Zielsetzung

STACKIT soll nicht lediglich eine weitere europäische Cloud sein, sondern eine eigenständige Infrastruktur bilden, auf der Unternehmen kritische Anwendungen und Daten betreiben können, ohne dafür zwingend auf die großen US-Anbieter angewiesen zu sein. STACKIT entstand 2018 zunächst aus dem Bedarf der Schwarz-Gruppe, die eigene IT-Infrastruktur und Daten souverän betreiben zu können. Heute wird die Plattform auch externen Kunden angeboten.

Die STACKIT-Features

Technisch betrachtet ist STACKIT eine Kombination aus Infrastructure-as-a-Service, Platform-as-a-Service und Colocation. Die Infrastruktur reicht von virtuellen Maschinen und Netzwerken über verschiedene Speichersysteme bis hin zu Kubernetes und Datenbankdiensten.

Das klassische IaaS-Fundament umfasst unter anderem virtuelle Server, Block Storage, Object Storage, Backup Storage, Floating IPs und Load Balancer. Darüber liegt die PaaS-Ebene mit Diensten wie Kubernetes Engine, Cloud Foundry, PostgreSQL, MariaDB, Redis, MongoDB, RabbitMQ und Elasticsearch. Damit kann ein Unternehmen nicht nur virtuelle Maschinen mieten, sondern komplette cloud-native Anwendungen betreiben.

Ein typisches System kann beispielsweise aus mehreren Kubernetes-Workloads, einer PostgreSQL-Datenbank, Object Storage für Dateien, einem Load Balancer sowie Monitoring- und Logging-Komponenten bestehen. STACKIT stellt für diese unterschiedlichen Schichten eigene Cloud-Dienste bereit.

OpenStack als technisches Fundament

Eine zentrale Rolle spielt OpenStack. STACKIT beschreibt seine Compute-Plattform ausdrücklich als hochperformante Cloud-Plattform auf Basis von OpenStack. In der darunterliegenden Systemlandschaft kommen unter anderem KVM, libvirt und QEMU zum Einsatz.

Anwendungsbeispiel

Die Hardware bildet die physische Grundlage. Darauf laufen Linux-basierte Virtualisierungskomponenten mit KVM und QEMU. OpenStack übernimmt anschließend wesentliche Funktionen einer Cloud-Management-Plattform und stellt Compute-, Netzwerk- und Storage-Ressourcen über standardisierte Schnittstellen bereit. Oberhalb dieser Infrastruktur können Kubernetes-Cluster und weitere Platform-as-a-Service-Angebote betrieben werden.

Der Vorteil dieser Architektur besteht in der Trennung der Ebenen. Ein Kunde muss sich normalerweise nicht darum kümmern, auf welchem konkreten physischen Server eine virtuelle Maschine läuft. Die Cloud-Plattform abstrahiert die Hardware und stellt die benötigten Ressourcen über APIs und Self-Service-Schnittstellen bereit.

Kubernetes als Abstraktionsebene

STACKIT bietet eine eigene Kubernetes Engine an. Kubernetes übernimmt dabei die Orchestrierung containerisierter Anwendungen. Anwendungen werden in Container verpackt und anschließend über sogenannte Pods, Deployments und Services auf den verfügbaren Ressourcen verteilt.

Der Unterschied zu klassichen Cloud-Anwendungen

Während klassische Cloud-Anwendungen häufig direkt auf virtuellen Servern installiert werden, kann eine cloud-native Anwendung Kubernetes als Betriebsschicht verwenden. Die Entwickler definieren beispielsweise, dass eine Anwendung aus fünf Instanzen bestehen soll. Kubernetes sorgt anschließend dafür, dass diese Instanzen auf den verfügbaren Nodes ausgeführt werden und bei Ausfällen neu gestartet werden.

Speicher ist in mehrere Klassen aufgeteilt

Beim Storage verfolgt STACKIT einen klassischen Cloud-Ansatz mit unterschiedlichen Speichertechnologien.

  • Block Storage eignet sich beispielsweise für virtuelle Maschinen und Anwendungen, die einen blockorientierten Datenträger benötigen.
  • Object Storage arbeitet dagegen objektbasiert und stellt eine S3-kompatible Schnittstelle zur Verfügung. Daten werden dort in sogenannten Buckets gespeichert. Das macht Object Storage insbesondere für große Mengen unstrukturierter Daten interessant. Zusätzlich gibt es Backup Storage und Image Storage.

Der Object Storage kann Daten über mehrere Availability Zones hinweg speichern. Damit wird aus einfachem Speicher eine Infrastrukturkomponente, die auch für Skalierbarkeit und Ausfallszenarien eingesetzt werden kann.

Für Cloud-Architekturen ist diese Differenzierung entscheidend. Eine Datenbank benötigt andere Eigenschaften als ein Archiv mit mehreren Terabyte großen Dateien. Eine virtuelle Maschine wiederum benötigt einen anderen Zugriff auf ihre Daten als eine Anwendung, die tausende Objekte pro Sekunde über eine API abruft.

Availability Zones

Eine professionelle Cloud muss nicht nur Rechenleistung bereitstellen, sondern auch mit Hardwareausfällen umgehen können. Deshalb ist die physische Verteilung der Infrastruktur ein wichtiger Bestandteil der Architektur.

STACKIT bietet verschiedene Speicher- und Infrastrukturkomponenten über Availability-Zone-Konzepte an. Bei Storage kann beispielsweise eine Verteilung über mehrere Availability Zones erfolgen. Damit lässt sich die Abhängigkeit von einem einzelnen Infrastrukturstandort reduzieren.

Ausfallsicherheit

Ein einzelner Server ist keine zuverlässige Cloud-Infrastruktur. Erst die Kombination aus redundanter Hardware, verteiltem Storage, Netzwerkredundanz, automatisierter Bereitstellung und Überwachung ermöglicht einen belastbaren Cloud-Betrieb.

Digitale Souveränität

Technisch unterscheidet sich STACKIT in vielen Bereichen nicht grundsätzlich von anderen modernen Cloud-Plattformen. Virtuelle Maschinen, Kubernetes, Object Storage, Load Balancer und Datenbanken gehören inzwischen zum Standardangebot professioneller Cloud-Anbieter.

Der Unterschied: Kontrolle über die Infrastruktur.

STACKIT betreibt seine Cloud-Infrastruktur nach eigenen Angaben an Standorten in Deutschland und Österreich. Die Datenverarbeitung soll innerhalb des europäischen Rechtsraums erfolgen. Damit positioniert Schwarz Digits STACKIT ausdrücklich als souveräne europäische Alternative zu globalen Cloud-Anbietern wie Amazons AWS.

Dabei geht es um mehr als den Serverstandort. Digitale Souveränität umfasst auch die Frage, wer die Infrastruktur kontrolliert, welchem Rechtsrahmen der Betreiber unterliegt und wer im Krisenfall oder bei regulatorischen Konflikten Zugriff auf Daten und Systeme verlangen kann.

STACKIT und der GovTech-Deal

Für Behörden, Gesundheitsunternehmen und andere regulierte Organisationen wird der Spuveränitäts-Aspekt zunehmend relevant. 2026 wurde STACKIT beispielsweise Bestandteil des Cloud-Portfolios eines 250-Millionen-Euro-Rahmenvertrags von GovTech Deutschland für die Digitalisierung des öffentlichen Sektors. Dabei werden unter anderem Speicherung im Europäischen Wirtschaftsraum, C5-Testierung und ISO-27001-Zertifizierung auf Basis von IT-Grundschutz genannt.

C5 und ISO 27001

Auch bei der Compliance versucht STACKIT, sich an professionellen Enterprise-Cloud-Anforderungen zu orientieren. Die STACKIT-Infrastruktur wurde unter anderem nach dem C5-Kriterienkatalog des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik testiert. C5 definiert Anforderungen an die Informationssicherheit professioneller Cloud-Anbieter. Zusätzlich wurden ISAE-3000- und ISAE-3402-Nachweise genannt.

Regulierte Branchen

In regulierten Branchen (zum Beispiel Banken und Versicherungen) muss nachgewiesen werden können, wo Daten verarbeitet werden, welche Sicherheitskontrollen existieren und wie der Cloud-Betrieb organisatorisch abgesichert ist.

Confidential Computing

STACKIT geht darüber hinaus in Richtung Confidential Computing. Dabei wird nicht nur der Speicher und die Übertragung von Daten geschützt, sondern auch die Verarbeitung selbst.

Bei Confidential Kubernetes können Container innerhalb eines durch Confidential Computing geschützten Kubernetes-Clusters betrieben werden. Bei Confidential Servern lassen sich entsprechende Schutzmechanismen für virtuelle Maschinen einsetzen.

Selbst wenn eine Anwendung während der Verarbeitung auf Daten zugreifen muss, soll die zugrunde liegende Hardware beziehungsweise die Trusted Execution Environment den Zugriff auf den geschützten Speicherbereich absichern.

STACKIT als europäischer Hyperscaler

Schwarz Digits bezeichnet STACKIT inzwischen ausdrücklich als deutschen Hyperscaler. Die Bezeichnung ist dabei weniger eine technische Klassifizierung als eine strategische Zielsetzung. Ein Hyperscaler zeichnet sich typischerweise durch enorme Skalierbarkeit, automatisierte Ressourcenbereitstellung, globale beziehungsweise großräumige Infrastruktur und ein sehr breites Serviceportfolio aus.

STACKIT versucht, einen Teil dieser Eigenschaften mit europäischer Kontrolle zu kombinieren. Das bedeutet allerdings nicht, dass STACKIT heute einfach eine europäische Kopie von AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud ist. Die internationalen Hyperscaler verfügen über eine wesentlich größere globale Infrastruktur und ein noch umfangreicheres Angebot an spezialisierten Diensten.

STACKIT Innerhalb der Schwarz-Gruppe

Die Schwarz-Gruppe betreibt mit Lidl und Kaufland ein internationales Handelsgeschäft. Dahinter stehen enorme Mengen an Transaktions-, Logistik-, Kunden-, Waren- und Unternehmensdaten.

Eine eigene Cloud-Infrastruktur ermöglicht es, kritische Anwendungen nicht vollständig von externen Cloud-Anbietern abhängig zu machen. STACKIT wurde deshalb zunächst aus einem internen Bedarf heraus entwickelt und anschließend als externes Geschäftsmodell geöffnet.

Das unterscheidet STACKIT von vielen Cloud-Start-ups. Die Plattform entstand nicht ausschließlich als Produktidee für den Cloud-Markt, sondern aus dem praktischen Bedarf eines großen internationalen Konzerns.

Interessant für KI und datenintensive Anwendungen

Eine weitere Entwicklung ist die Ausrichtung auf KI- und datenintensive Anwendungen. Dafür sind nicht nur klassische CPU-Ressourcen erforderlich. Moderne KI-Anwendungen benötigen häufig GPUs, große Speicherbandbreiten, schnelle Netzwerke und skalierbare Storage-Systeme.

Die STACKIT-Infrastruktur wird entsprechend auch für Compute-Ressourcen wie GPUs ausgebaut. In den technischen Anforderungen für Cloud-Compute-Engineering werden ausdrücklich Compute-Ressourcen wie Grafikkarten und virtuelle Maschinen unterschiedlicher Architekturen genannt.

Für Unternehmen entsteht dadurch ein interessantes Modell: Die KI-Anwendung kann beispielsweise in Kubernetes laufen, auf GPU-Ressourcen zugreifen und Daten aus Object Storage oder Datenbanken beziehen. Die einzelnen Bausteine lassen sich über Cloud-APIs automatisieren.

Ein Beispiel für eine STACKIT-Architektur

Eine typische Unternehmensanwendung könnte technisch beispielsweise so aufgebaut sein:

Der externe Datenverkehr erreicht zunächst einen Load Balancer. Dahinter befindet sich ein Kubernetes-Cluster, in dem mehrere Container mit der eigentlichen Anwendung laufen. Die persistenten Daten liegen in PostgreSQL. Große Dateien, Bilder oder Dokumente werden im S3-kompatiblen Object Storage gespeichert. Block Storage versorgt gegebenenfalls virtuelle Maschinen oder zustandsbehaftete Workloads mit persistentem Speicher. Monitoring und Logging überwachen die Umgebung.

Die einzelnen Komponenten können automatisiert über APIs bereitgestellt und miteinander verbunden werden.

Was ist Wero?
  • Wero ist ein neues europäisches Bezahlsystem, initiiert von der European Payments Initiative (EPI).
  • Mit Wero soll eine europäische Alternative zu Paypal, Visa, Mastercard, Google Pay und Apple, Pay geschaffen werden.
  • Wero ermöglicht schnelle Zahlungen direkt vom Bankkonto, wobei die Transaktion über das europäische SEPA-Instant-Verfahren abgewickelt wird.
  • Wero kann für Zahlungen zwischen Privatpersonen, beim Online-Shopping und zunehmend auch im stationären Handel eingesetzt werden.
  • Die Wero-Nutzung erfolgt am einfachsten über eine teilnehmende Bank. Ein separates Wero-Konto ist nicht erforderlich.
  • Ziel von Wero ist es, ein einheitliches europäisches Zahlungssystem zu schaffen, das grenzüberschreitend funktioniert und stärker auf europäischer Infrastruktur basiert.

Wer macht das Wero-Rennen?

Die Schwarz-Gruppe ist allerdings nicht der einzige Anbieter für europäische Clouddienste. Noch im Rennen um die Wero-Cloud dürften sich folgende Anbieter befinden:

  • Ionos
  • Otto-Gruppe
  • OVH

Ionos und die Otto-Gruppe zählen zu den führenden deutschen Cloud-Anbietern, der französische Cloudanbieter OVH verbuchte im Frühjahr 2026 einen Auftrag des Auswärtige Amts, wie das Handelsblatt berichtete. Das Rennen um die Wero-Cloud bleibt spannend.

Für die Wahl des Standorts an der Ostsee spielt die Energieversorgung die Hauptrolle. Schwarz Digits setzt nämlich auf Windenergie. Da stellt sich natürlich die Frage, wie viele Windräder das Rechenzentrum an der Ostsee benötigt.

Wie viele Windräder braucht das Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe?

240 Megawatt: Diese Zahl steht im Mittelpunkt der Planungen für das neue Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe in Dummerstorf bei Rostock. Bis 2033 soll dort zunächst eine Rechenzentrumsleistung von 240 Megawatt entstehen. Doch wie viele Windräder sind notwendig, um ein Rechenzentrum dieser Größenordnung mit Windenergie zu versorgen?

Einse sehr vereinfachte Antwort lautet: Je nach Größe und Auslastung der Windkraftanlagen wären es grob zwischen 50 und 100 moderne Onshore-Windräder. Bei größeren Anlagen kann die Zahl deutlich niedriger liegen. Für eine belastbare Betrachtung muss allerdings zwischen Leistung und Energie unterschieden werden.

240 Megawatt sind nicht 240 Megawattstunden

Die 240 Megawatt beschreiben zunächst die elektrische Leistung, die am Standort verfügbar sein soll. Würde das Rechenzentrum diese Leistung tatsächlich rund um die Uhr und das ganze Jahr vollständig abrufen, ergäbe sich ein theoretischer Jahresverbrauch von rund 2,1 Terawattstunden.

Die (leider zu einfache) Rechnung: 240 Megawatt multipliziert mit 8.760 Stunden eines Jahres ergeben 2.102.400 Megawattstunden beziehungsweise rund 2,1 Terawattstunden.

Ein Windrad liefert nicht dauerhaft seine Nennleistung

Die genauere Rechnung. Ein Windrad mit beispielsweise 5 Megawatt Nennleistung produziert nicht automatisch 5 Megawatt in jeder Stunde. Die tatsächliche Stromproduktion hängt vom Wind ab.

Für die Jahresproduktion ist deshalb der sogenannte Kapazitätsfaktor entscheidend. Ein modernes Onshore-Windrad kann je nach Standort und Anlagentyp beispielsweise auf eine durchschnittliche Auslastung von rund 30 bis 40 Prozent kommen.

Nehmen wir für eine überschlägige Rechnung ein Windrad mit 5 Megawatt Nennleistung und einen Kapazitätsfaktor von 35 Prozent. Dann erzeugt es rechnerisch im Durchschnitt 1,75 Megawatt. Über ein Jahr entspricht das etwa 15.330 Megawattstunden oder 15,3 Gigawattstunden.

Um die theoretisch benötigten 2,1 Terawattstunden zu erzeugen, wären damit rund 137 solcher Windräder erforderlich.

Mit größeren Windrädern sinkt die Zahl

Die Anzahl der benötigten Windräder sinkt deutlich, wenn größere Windkraftanlagen eingesetzt werden. Moderne Onshore-Anlagen können inzwischen Nennleistungen von deutlich mehr als 5 Megawatt erreichen. Offshore-Windräder kommen auf noch höhere Leistungen.

Nehmen wir beispielsweise ein 7-Megawatt-Windrad mit einem Kapazitätsfaktor von 40 Prozent. Eine solche Anlage würde rechnerisch durchschnittlich 2,8 Megawatt liefern und damit rund 24,5 Gigawattstunden pro Jahr erzeugen.

Für 2,1 Terawattstunden wären unter diesen Annahmen rund 86 Windräder notwendig.

Bei einem 7-Megawatt-Windrad mit 45 Prozent Auslastung wären es sogar nur rund 78 Anlagen.

Die Größenordnung liegt damit bei modernen Onshore-Anlagen eher bei mehreren Dutzend bis etwa hundert Windrädern, wenn man den gesamten theoretischen Jahresenergiebedarf des 240-Megawatt-Standorts ausschließlich rechnerisch einer Windstromerzeugung zuordnet.

Offshore-Windkraft verbessert die Auslastung

Noch kleiner wird die Zahl bei Offshore-Windkraft. Auf See herrschen im Durchschnitt stärkere und gleichmäßigere Windverhältnisse. Gleichzeitig sind die Anlagen deutlich größer.

Ein Offshore-Windrad mit 15 Megawatt Leistung und einem Kapazitätsfaktor von beispielsweise 50 Prozent würde rechnerisch durchschnittlich 7,5 Megawatt liefern. Im Jahr käme es damit auf etwa 65,7 Gigawattstunden.

Für 2,1 Terawattstunden wären unter dieser Modellrechnung etwa 32 solcher Offshore-Windräder erforderlich.

Der Standort der Windräder

Die Schwarz-Gruppe muss die 86 Windräder nicht unmittelbar neben dem Rechenzentrum errichten.

Das Rechenzentrum wird an das Stromnetz angeschlossen. Der Strom kommt physikalisch aus dem gesamten Netz und lässt sich nicht einzelnen Windrädern zuordnen. Wenn im Norden Deutschlands Windparks Strom produzieren, fließt dieser Strom in das überregionale Netz und kann damit auch den Strombedarf großer Verbraucher decken.

Das Zusammenspiel von Energie und Netz

Für Dummerstorf ist deshalb nicht allein entscheidend, wie viele Windräder rechnerisch 240 Megawatt erzeugen könnten. Entscheidend ist vielmehr, ob ausreichend erneuerbarer Strom vorhanden und gleichzeitig die notwendige Netzkapazität verfügbar ist.

Die Schwarz-Gruppe plant für den Standort eine Anbindung an das 380-Kilovolt-Netz. Was konkret bedeutet:

  • Auf der einen Seite entstehen Windparks in Mecklenburg-Vorpommern und der Ostsee.
  • Auf der anderen Seite entsteht ein neuer Großverbraucher mit einem erheblichen und möglichst kontinuierlichen Strombedarf.

240 Megawatt sind nur der Anfang

Für Rostock besteht perspektivisch die Möglichkeit, die Leistung bis 2045 auf bis zu ein Gigawatt auszubauen.

  • Ein Gigawatt entspricht mehr als dem Vierfachen der zunächst geplanten 240 Megawatt. Würde man auch diese Leistung theoretisch rund um die Uhr betreiben, ergäbe sich ein Jahresenergiebedarf von rund 8,76 Terawattstunden.
  • Bei 7-Megawatt-Onshore-Windrädern und einem Kapazitätsfaktor von 40 Prozent wären dafür rechnerisch etwa 319 Anlagen notwendig.
  • Bei 15-Megawatt-Offshore-Windrädern und einem Kapazitätsfaktor von 50 Prozent wären es dagegen rund 133 Anlagen.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert