Wero ohne Amazon

Europa reitet auf einem Stier und verabschiedet sich von Amazon AWS

Läuft Wero auf Amazon-Servern? Ja, teilweise werden Amazon-Server genutzt. Aber das wird nicht so bleiben, denn die Tage für die Nutzung von Amazons Cloud-Dienst AWS sind gezählt. Und das ist auch bitter nötig, damit unter den Wero-Fanboys und Fangirls keine schlechte Stimmung aufkommt.

Die EPI geht zu AWS auf Distanz

Die European Payments Initiative (EPI) hat klargestellt, dass die Nutzung der AWS-Cloud nur für die Wero-Startphase nötig war und schrittweise beendet wird: Reducing dependency on international providers.

Warum nutzt Wero AWS?

Die Begründung für den AWS-Ausflug hat die EPI nachgeliefert: Die Entscheidung für die Auslagerung zu Amazon fiel, da Wero von Beginn an auf Millionen von Nutzern ausgerichtet war und dafür keine existierende Infrastruktur zur Verfügung stand. Und in der Aufbauphase konnte Europa auch keine passende Wero-Cloud aus dem Hut zaubern.

Gleichzeitig stellt die EPI klar, dass die AWS-Nutzung im Widerspruch zum erklärten Ziel steht, mit Wero eine unabhängige und komplett europäische Zahlungsart zu etablieren.

Wann beendet Wero die AWS-Nutzung?

Der aktuelle Stand: Weil ein sofortiger Wechsel mit erheblichen Risiken verbunden wäre, wird sich Wero schrittweise von Amazon AWS lösen.

Die Exit-Strategie der EPI: Abhängigkeiten werden nach und nach reduziert und durch europäische Lösungen ersetzt. Ziel ist es, langfristig eine Server-Struktur unter europäischer Kontrolle aufzubauen. Unter komplett europäischer Kontrolle.

Was sind die Kritikpunkte an AWS aus datenschutzrechtlicher Sicht?

Die Kritik an der Nutzung von AWS ist nicht nur kaufmännisch begründet, schwerwiegende ist die rechtliche Situation. Durch US-Gesetze wie den 2018 verabschiedeten CLOUD-Act („Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act“) besteht die Möglichkeit, dass amerikanische Behörden Zugriff auf Wero-Daten erhalten könnten.

Die Zugriffsrechte auf die Amazon-Server bestehen auch dann, wenn die Server in Europa stehen.

Auch bei verschlüsselten Daten bleibt mit der AWS-Nutzung für Wero ein Restrisiko bestehen. Siehe dazu diesen Beitrag: Wero-Daten auf der Amazon-Cloud?

Wie steht es um die europäische Datensouveränität?

Für die europäische Datensouveränität reicht es nicht aus, dass ein Server physisch in Deutschland oder einem anderen EU-Staat steht.

Entscheidend ist, welchem Recht der Betreiber unterliegt. Ein US-Unternehmen kann einen Serverpark in Frankfurt betreiben und trotzdem den US-Gesetzen unterliegen. Ein europäischer Serverstandort allein garantiert also nicht, dass Wero-Daten ausschließlich europäischer Rechtshoheit unterliegen. Auch eine europäische Tochtergesellschaft eines US-Konzerns kann problematisch sein, wenn eine direkte oder indirekte Verbindung zum US-Mutterunternehmen besteht.

Umgekehrt bedeutet ein US-Firmensitz nicht automatisch, dass jede Datenverarbeitung unzulässig ist. Allerdings hat das EU-US Data Privacy Framework im Juli einen Rückschlag erlitten.

Für echte europäische Souveränität muss deshalb neben Serverstandort, Verschlüsselung und technischer Kontrolle auch geprüft werden, wem der Betreiber gehört und welchen staatlichen Zugriffsmöglichkeiten er aufgrund seines Firmensitzes oder seiner Konzernstruktur unterliegt.

Was sind die Kritikpunkte an AWS-Kritik aus kaufmännischer Sicht?

Ein weiterer AWS-Kritikpunkt ist kaufmännischer Natur. Wer sich als Händlerin oder Händler bewusst gegen die Nutzung des Amazon Marketplace entscheidet und lieber einen eigenen Shop auf Basis von Shopify, WooCommerce, Prestashop, Oxid oder einem anderen eigenständigen Shopsystem betreibt, will Umsätze einfahren, ohne monatliche Grundgebühren und Margen pro Warenkorbwert an einen Marktplatz abzuführen.

Wie stehen Shopbetreiber zum Amazon Marketplace?

Der eigene Onlineshop auf der eigenen Website steht in harter Konkurrenz zum Amazon Marketplace. Und die Konkurrenz will niemand gerne füttern, auch nicht indirekt. Schon gar nicht sollen Kunden- und Zahlungsdaten vom eigenen Shopsystem auf Amazon-Server transferiert werden. Nicht unverschlüsselt und auch nicht verschlüsselt. Amazon AWS passt einfach nicht zum Charakter von unabhängigen, selbstbewussten und inhabergeführten Onlinehändlern.

Welches Problem hat das Bundeskartellamt mit dem Amazon Marketplace?

Erinnert sei dabei auch an die vom Bundeskartellamt im Februar 2026 monierten Preisvorgaben für den Amazon Marketplace.

Amazon hatte die Preise von unabhängigen Händlern über interne Algorithmen und intransparente Preisgrenzen beeinflusst.

Welches Strafe musste Amazon Marketplace an das Bundeskartellamt bezahlen?

Wegen rechtswidriger Preisvorgaben untersagte das Bundeskartellamt dem US-Konzern, Preisobergrenzen für Angebote von unabhängigen Händlern festzulegen. Außerdem brummte das Kartellamt Amazon eine Zahlung von rund 59 Millionen Euro auf, als Amazon an seinen Preisvorgaben festhielt.

Wie kann die EPI wieder Vertrauen gewinnen?

Die Amazon-Affäre zeigt, wie kompliziert der Weg zu einem echten europäischen Zahlungssystem ist. Zum Glück hat die EPI auf die berechtigten Vorwürfe reagiert. Die zügige Abkehr von AWS ist jetzt notwendig, um das angeschlagene Vertrauen in das Wero-Projekt wieder zu stärken.

Wer kann für die nötige Serverkapzität sorgen?

Hausaufgabe Nummer 1 für die EPI: Der Exit-Ankündigung jetzt Taten folgen lassen. Am besten wäre die Veröffentlichung eines verbindlichen Terminplans zum Ausstieg aus Amazon AWS und zum Aufbau einer eigenen Server-Infrastruktur. Für die nötige Serverkapazität könnte das neue, von der Schwarz-Gruppe (Eigentümer von Lidl und Kaufland) geplante Rechenzentrum bei Rostock sorgen. Weitere Informationen finden Sie hier: Wer gewinnt den Auftrag für die Wero-Cloud?

Baut die EPI eigene Serverzentren auf?

Eine andere Option besteht darin, dass die EPI eigene Serverzentren aufbaut, am besten verteilt in zwei oder drei Wero-Staaten. Redundanz kann dabei nicht schaden, erinnert sei an den Serverbrand beim französischen Cloud-Anbieter OVH im Jahr 2021. Zahlreiche Websites gingen damals in die Knie und nicht alle „abgebrannten“ Daten konnten rekonstruiert werden.

Welche Firmen sind die größten AWS-Kunden?

Amazon Web Services (AWS) wird von einer Vielzahl großer Unternehmen und Organisationen weltweit genutzt. Die Bandbreite reicht von Streaming-Diensten über soziale Netzwerke bis hin zu staatlichen Einrichtungen. Große AWS-Kunden sind zum Beispiel:

  1. Netflix
    Der Streaming-Anbieter gehört zu den prominentesten AWS-Kunden. Netflix nutzt die AWS- Cloud, um Inhalte weltweit bereitzustellen und Millionen von Nutzern gleichzeitig zu bedienen.
  2. Airbnb
    Airbnb setzt auf AWS, um eine globale Infrastruktur zu betreiben. Von der Suche bis zur Buchung laufen viele Prozesse über die Cloud-Dienste von Amazon.
  3. Spotify
    Spotify nutzt AWS für die Speicherung und Verarbeitung großer Datenmengen. Dazu gehören sowohl Musikdateien, Nutzerdaten und personalisierte Empfehlungen.
  4. NASA
    Auch staatliche Organisationen wie die NASA greifen auf AWS zurück. Die AWS-Cloud wird unter anderem für Datenverarbeitung, Forschung und öffentliche Datenbereitstellung genutzt.
  5. Samsung
    Samsung verwendet AWS für verschiedene Anwendungen, etwa im Bereich mobiler Dienste und Datenmanagement.
  6. Siemens
    Siemens nutzt AWS für digitale Plattformen und industrielle Anwendungen, insbesondere im Bereich Internet of Things (IoT).
  7. Coca-Cola
    Coca-Cola setzt auf AWS, um Geschäftsprozesse zu digitalisieren und Daten auszuwerten.
  8. BMW
    BMW nutzt AWS für vernetzte Fahrzeuglösungen, Datenanalyse und interne IT-Systeme.
Portrait Bernd Schmitt

PS: Dieser Beitrag ist für Kommentare geöffnet …

Kommentare

2 Kommentare zu „Wero ohne Amazon“

  1. Avatar von Werner Brinkmann
    Werner Brinkmann

    Kein Kommentar, nur eine Frage:
    Fehlt im letzten Satz des Absatzes „Eigener Shop vs Amazon Marketplace“ nicht ein „nicht“?

    Also so:
    Amazon AWS passt einfach *nicht* zum Charakter von unabhängigen und selbstbewussten Onlinehändlern.

    1. Avatar von Bernd Schmitt

      Ups, danke.. habs gleich ausgebessert

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