Brauche ich für Wero eine weitere App? Das kommt auf den Wohnsitz an. In Deutschland wird keine weitere App benötigt, alle Transaktionen über die Banking-App durchgeführt werden, sofern diese drei Voraussetzungen stimmen:
- Die Bank unterstützt Wero. Hier geht es zur Wero-Bankenliste
- Die Banking-App ist aktuell
- Die Banking-App wurde für Wero freigeschaltet
Luxemburg: Separate Wero-App
Wer im Großherzogtum Luxemburg residiert, kann Wero dagegen nur über eine separate App nutzen und nicht über die gewohnte Banking-App. Wie die Website Die Grenzgänger berichtet, haben sich Luxemburgs Banken für diesen Weg entschieden.
Ein kleines Trostpflaster gibt es: Mit der externen Wero-App lassen sich mehrere Konten aus unterschiedlichen Banken bzw. Ländern verknüpfen. Für Berufspendler zwischen dem Großherzogtum und den Nachbarstaaten ist diese Kombi-Lösung vielleicht ganz interessant.
Luxemburg und Wero
Jetzt stellt sich die Frage, ob Luxemburg das Wero-Projekt nur halbherzig unterstützt? Nein, denn der aktuell noch im Großherzogtum gängige Zahlungsdienst Payconiq wird eingestellt, beziehungsweise samt Userschaft zu Wero migriert.
Aus Payconiq wird Wero
Payconiq wird Mitte 2026 in den Banken-Apps nicht mehr verfügbar sein. Auf die Luxemburger, die Payconiq mit Wero ersetzen möchten, kommt jetzt also Arbeit zu:
- Wero-App für iPhone oder Android installieren
- Konten in der App verknüpfen
Kommentar: Eigentor der Banken
Luxemburgs Banken könnten ein Eigentor geschossen haben, mit der Ausnahme von PayPal. Es ist nämlich nicht auszuschließen, dass manche Kunden nicht wie geplant von Payconiq zu Wero migrieren, sondern zu PayPal greifen.
PayPal vs Wero
Zur Erinnerung: Am Luxemburger Boulevard Royal befindet sich der europäische Hauptsitz des Zahlungsdienstleisters. Seit Juli 2007 ist PayPal in der EU als Bank zugelassen. Die Marketingabteilung von PayPal wird die Payconiq-Abschaltung mit Sicherheit nutzen, um Wero das Wasser abzugraben. Es bleibt spannend, vor allem im Kampf um die Ladenkasse.
Hintergrund: Wie sich Luxemburg zum Finanzplatz und PayPal-Standort entwickelte
Luxemburg entwickelte sich aus einer kleinen Grafschaft im Mittelalter, deren Ursprung auf die Burg Lucilinburhuc zurückgeht, die im Jahr 963 von Siegfried von Ardennen erworben wurde. Über die Jahrhunderte regierten Burgunder, Habsburger und Spanier. Aufgrund seiner strategischen Lage zwischen großen europäischen Mächten war Luxemburg häufig umkämpft und wurde zu einer der bedeutendsten Festungen Europas ausgebaut.
Vom Wiener Kongress zur Souveränität
Im Zuge der Neuordnung Europas nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Luxemburg zum Großherzogtum erhoben und in Personalunion mit dem Königreich der Niederlande verbunden. Gleichzeitig wurde es Mitglied des Deutschen Bundes. Diese besondere Konstellation spiegelte die geopolitische Bedeutung des Landes wider. Erst 1890 endete die Personalunion mit den Niederlanden, und Luxemburg wurde unter einer eigenen Dynastie vollständig souverän.
Industrialisierung und wirtschaftlicher Wandel
Im 19. Jahrhundert erlebte Luxemburg einen tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel. Die Entdeckung von Eisenerzvorkommen im Süden des Landes führte zur Entwicklung einer starken Stahlindustrie. Unternehmen wie die spätere ARBED machten Luxemburg zu einem wichtigen Industriestandort in Europa.
Die Industrialisierung brachte Wohlstand, aber auch eine stärkere Integration in internationale Märkte. Luxemburg entwickelte sich von einer agrarisch geprägten Gesellschaft zu einer industriellen Nation. Diese Phase legte den Grundstein für die spätere wirtschaftliche Diversifizierung.
Der Übergang zur Finanzwirtschaft
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Luxemburg, seine Wirtschaft neu auszurichten. Die Stahlindustrie verlor zunehmend an Bedeutung, während der Dienstleistungssektor wuchs. Eine entscheidende Rolle spielte dabei die gezielte Förderung des Finanzsektors.
Die Regierung schuf günstige rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen, um internationale Banken und Finanzdienstleister anzuziehen. Dies begründete den Ruf Luxemburgs als Finanzplatz.
Institutionen wie die Banque centrale du Luxembourg sowie zahlreiche private und internationale Banken etablierten sich im Land. Luxemburg profitierte zudem von seiner politischen Stabilität, seiner zentralen Lage in Europa und seiner Mehrsprachigkeit.
Luxemburg als internationaler Finanzplatz
Heute zählt Luxemburg zu den wichtigsten Finanzzentren weltweit. Nach den USA ist Luxemburg der zweitgrößte Fondsstandort der Welt. Viele globale Vermögensverwalter nutzen Luxemburg als Drehscheibe für europäische und internationale Investments.
Luxemburgs Börse, die Luxembourg Stock Exchange, spielt eine wichtige Rolle im Handel mit Anleihen, darunter auch bei nachhaltigen Finanzprodukten, den sogenannten Green Bonds. Als Green Bonds werden festverzinsliche Wertpapiere bezeichnet, mit denen gezielt Projekte im Umwelt-, Natur- und Klimaschutz finanziert werden.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die enge Einbindung in europäische Strukturen. Das Gründungsmitglied der Europäischen Union profitiert von der Präsenz zahlreicher EU-Institutionen.
2007 Luxemburg wird PayPal-Standort
PayPal ist seit Juli 2007 im Besitz einer luxemburgische Banklizenz. Die Zulassung erfolgte durch die luxemburgische Finanzaufsichtsbehörde CSSF (Commission de Surveillance du Secteur Financier). Die Lizenz ermöglichte es PayPal, seine europäische Zentrale von England nach Luxemburg zu verlegen und Bankgeschäfte innerhalb der EU zu tätigen.
Regulierung, Kritik und Anpassung
Der Erfolg des Finanzplatzes blieb nicht ohne Kritik. Luxemburg wurde wiederholt vorgeworfen, durch steuerliche Vorteile internationale Konzerne anzuziehen und aggressive Steuerplanung zu ermöglichen. Enthüllungen wie die LuxLeaks-Affäre führten zu verstärkter internationaler Aufmerksamkeit.
In den letzten Jahren hat Luxemburg jedoch seine Regulierung verschärft und arbeitet eng mit internationalen Organisationen zusammen, um Transparenz und Steuerkonformität zu verbessern.
