Kann ich Bahntickets mit Wero bezahlen?

Eingangsportal des Frankfurter Hauptbahnhofs bei Nacht

Update 13. September 2026: Kann ich mit Wero bei der Bahn bezahlen? Nein, nicht bei der Deutschen Bahn. Die bietet leider nur folgende Zahlungsarten an, die alle irgenwie nur eingeschränkt nutzbar sind:

  • Paypal: Dafür ist aber ein Paypal-Konto erforderlich.
  • SEPA-Lastschrift: Dafür ist ein Kundenkonto erforderlich, außerdem funktioniert SEPA nicht für bestimmte Tarife (Sparpreise) und streikt bei der BahnCard 100.
  • Kreditkarte: Die Bahn nimmt nur Mastercard, VISA, American Express und Diners Club an.
  • Apple Pay: Funktioniert uneingeschränkt für Apple-Jünger
  • Bonvodjo: Nur für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahn.

Mit anderen Worten: Die Bahn hat ein Zahlungsproblem, wie berichtet. Da fehlt Wero. Die Niederländer sind da weiter. Niederländische Bahntickets können jetzt schon mit iDEAL bezahlt werden, und iDEAL migriert zu Wero.

Wie kann ich Fahrscheine mit Wero bezahlen?

Jetzt zur Ausgangsfrage: Wie kann ich in Deutschland Bahn fahren und dabei mit Wero bezahlen? Die Antwort: mit einem Nachtzug. Aber keinem deutschen, denn unsere schönen Nachtzüge wurden leider abgeschafft, und eine Reaktivierung steht in den Sternen. Dabei sind Nachtzüge europaweit wieder im Kommen!

Europäische Nachtzüge sind wieder im Kommen

Wer längere Fahrten genießen und am Morgen entspannt am Ziel ankommen möchte, nimmt den Nachtzug. Die Deutsche Bahn bietet zwar keine Schlaf- und Liegewagen mehr an, die hat sie wieder abgeschafft, aber Deutschlands Lage in der Mitte Europas zahlt sich aus: es fahren Nachtzüge durch und die lassen sich auch bequem online buchen – bei Anbietern aus Österreich und den Niederlanden. Unsere Nachbarn sorgen dafür, dass diese besondere Art der Bahnreise bei uns nicht in Vergessenheit gerät. Vielen Dank nach Wien und Amsterdam!

Welche Anbieter von Nachtzügen gibt es in Europa?

Nachtzüge können allerdings nicht über den DB-Navigator oder die Website der Deutschen Bahn gebucht werden. Das geht nur direkt über die Anbieter aus Österreich, den Niederlanden und noch einigen weiteren europäischen Staaten, zum Beispiel Schweden. Hier ist eine Auswahl europäischer Nachtzug-Anbieter:

Nachtzug mit Wero bezahlen

Das Besondere am niederländischen European Sleeper ist, dass Sie mit Wero bezahlen können. Möglich ist dies durch die Migration eines in der Niederlande sehr populären Zahlungsdienstes: Aus iDEAL wird Wero.

Niederländische Bahntickets bezahlen

Beim Kauf von ganz normalen Tickets der Nederlandse Spoorwegen, der Niederländischen Bahn, wird alte iDEAL-Logo im Lauf des Jahres 2026 durch Wero ersetzt. Auf dem obigen Screenshot, es stammt vom Frühjahr 2026, ist noch das alte Logo zu sehen, aber die Migration von iDEAL zu Wero ist beschlossene Sache. Jetzt, im Herbst 2026, steht da Wero.

Kommentar zur Deutschen Bahn

Jetzt ist die Deutsche Bahn am Zug, und zwar doppelt:

  • DB-Nachtzüge reaktivieren
  • Bei den Bezahlarten aufräumen und Wero aktivieren

Dass beides zusammen geht, soll nun ein einer kleinen Utopie dargelegt werden. Los gehts:

Eine Utopie für die Bahn: Mehr Schlaf wagen

Wenn es um die Deutsche Bahn geht, denkt man gemeinhin an Verspätungen, Durchsagen mit dem Charme eines betrunkenen Stadionsprechers und die philosophische Frage, ob ein ICE in die Pünktlichkeits-Statistik aufgenommen werden sollte, wenn er komplett ausfällt. Doch stellen wir uns für einen Moment vor, es gäbe eine kleine, unscheinbare Revolution – begonnen nicht auf den Gleisen, sondern an der Kasse.

Wero statt PayPal

Die Bahn entdeckt plötzlich die Zahlungsart Wero. Keine opulenten Gebühren mehr, die die Bahn an den Zahlungsanbieter PayPal nach Luxemburg abführen muss. Stattdessen: effiziente, kostengünstige Transaktionen. Bei jedem Ticketverkauf spart die Bahn ein paar Euro hier, ein paar Euro dort – und zack, am Jahresende steht da eine Summe, bei dem der Bundesrechnungshof Beifall klatscht.

Den Wero-Geldsegen für Investitionen nutzen

Und was macht die Deutsche Bahn mit den durch Wero gesparten Kosten? Sie investiert in neue Strecken und modernisiert die Stellwerke. Und die Deutsche Bahn kauft Schlafwägen.

Mehr Schlaf wagen

Schlafwagen? Ja, genau: diese charmanten Gefährte, die man noch von Agatha-Christie-Verfilmungen kennt. Plötzlich rollt der Orient-Express wieder durch die deutschen Bahnhöfe. Aber nicht ganz so pompös. Im historischen Orient-Express gab es nur Schlaf- und Speisewägen.

Der historische Orient-Express

Kaum ein anderer Zug ist so mit Luxus, Abenteuer und europäischer Geschichte verbunden wie der Orient-Express. Über Jahrzehnte verband er Europa mit dem Osmanischen Reich. Er brachte wohlhabende Reisende, Diplomaten, Geschäftsleute und Abenteurer von Paris bis nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Der Orient-Express war ein Symbol für ein Europa, das durch die Eisenbahn plötzlich näher zusammenrückte.

Wer hat den Orient-Express erfunden?

Die Geschichte des Orient-Express beginnt mit Georges Nagelmackers. Der belgische Ingenieur lernte während einer Reise durch die USA im Jahr 1867 die dort bereits eingesetzten Schlafwagen kennen. Die komfortablen Wagen von George Pullman beeindruckten ihn nachhaltig. Nagelmackers übertrug die Idee auf Europa und entwickelte den Plan, internationale Nachtzüge mit Schlaf-, Speise- und Salonwagen einzusetzen.

Das Vorhaben war allerdings wesentlich komplizierter als der Bau eines gewöhnlichen Zuges. Europa bestand aus zahlreichen Eisenbahnnetzen mit unterschiedlichen technischen Standards, staatlichen Vorschriften und Grenzkontrollen. Nagelmackers musste deshalb nicht nur Wagen bauen, sondern Vereinbarungen mit den Eisenbahngesellschaften verschiedener Länder treffen.

1876 gründete er die Compagnie Internationale des Wagons-Lits, kurz CIWL. Das Unternehmen sollte später zum wichtigsten Betreiber luxuriöser Schlaf- und Speisewagen in Europa werden.

1883 beginnt die Geschichte des Orient-Express

Der unmittelbare Vorläufer des Orient-Express war ein luxuriöser Nachtzug zwischen Paris und Wien. Nach erfolgreichen Probefahrten entstand die Idee, die Verbindung weiter nach Osten zu verlängern.

Am 5. Juni 1883 fuhr erstmals ein „Express d’Orient“ von Paris in Richtung Konstantinopel. Die offizielle Einweihungsfahrt folgte am 4. Oktober 1883. Zu diesem Zeitpunkt war die Verbindung allerdings noch keine durchgehende Zugfahrt.

Die Strecke führte zunächst von Paris über Nancy, Straßburg, Stuttgart, München, Wien, Budapest und Bukarest nach Giurgevo am rumänischen Donauufer. Dort mussten die Reisenden mit einer Fähre den Fluss überqueren. In Bulgarien ging es mit der Bahn weiter nach Varna, von wo aus ein Dampfschiff die Passagiere über das Schwarze Meer nach Konstantinopel brachte.

Trotz dieser Unterbrechungen war die Verbindung eine Sensation. Eine Reise, die zuvor auf dem Seeweg rund zwei Wochen dauern konnte, ließ sich mit dem neuen Verkehrssystem auf ungefähr vier Tage verkürzen.

1889 wird die Reise zur durchgehenden Bahnverbindung

Der Orient-Express war zunächst also eine Kombination aus Eisenbahn, Fähre und Schiff. Das änderte sich 1889.

Mit der Fertigstellung der Eisenbahnverbindung über Budapest, Belgrad und Sofia konnte Konstantinopel erstmals direkt auf dem Schienenweg erreicht werden. Die Reise von Paris dauerte nun rund 68 Stunden. Damit war der Orient-Express zu einer der wichtigsten internationalen Bahnverbindungen Europas geworden.

1891 erhielt der Zug offiziell den Namen Orient-Express.

Die Bedeutung des Zuges ging dabei weit über seine Geschwindigkeit hinaus. Die Eisenbahn machte internationale Reisen für eine wohlhabende Bevölkerungsschicht komfortabler und planbarer. Gleichzeitig musste die CIWL ein komplexes System aus Wagen, Personal, Hotels, Werkstätten und internationalen Vereinbarungen organisieren.

Luxus auf Schienen

Der Orient-Express war bewusst als luxuriöses Reiseerlebnis konzipiert.

Schlafwagen boten private Abteile, während Speisewagen eine Küche und einen Service auf Hotelniveau boten. Edle Hölzer, Teppiche, Polster, Glasarbeiten, Silberbesteck und aufwendig gestaltete Innenräume machten die Wagen zu rollenden Luxusrestaurants und Hotels.

Die CIWL entwickelte dafür eine eigene Infrastruktur. Zum System gehörten Werkstätten, Wäschereien und andere Dienstleistungen, die dafür sorgten, dass die Wagen und der Service den hohen Ansprüchen der zahlungskräftigen Kundschaft entsprachen.

Der Orient-Express wurde damit zu einem frühen Beispiel für eine Marke, bei der nicht allein die Beförderung von A nach B verkauft wurde. Entscheidend war das gesamte Reiseerlebnis.

Der Orient-Express und die Belle Époque

In den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg wurde der Zug zu einem Treffpunkt der europäischen Gesellschaft. Adelige, Unternehmer, Diplomaten, Künstler und andere wohlhabende Reisende saßen in denselben Speise- und Salonwagen.

Der Zug verband dabei nicht nur Städte, sondern unterschiedliche Welten. Paris, München, Wien, Budapest, Belgrad, Sofia und Konstantinopel lagen plötzlich auf einer gemeinsamen europäischen Reiseroute.

Auch die Grenzkontrollen wurden zunehmend effizienter organisiert. Die CIWL übernahm einen Teil der organisatorischen Aufgaben für die Reisenden und erleichterte damit die Fahrt durch mehrere Länder.

Der Orient-Express wurde dadurch zu einem Symbol der internationalen Mobilität.

Der Erste Weltkrieg beendet die erste große Ära

Der Erste Weltkrieg unterbrach die internationale Verbindung. Die politischen Grenzen Europas veränderten sich grundlegend, und die ursprüngliche Strecke konnte nach dem Krieg nicht einfach wieder aufgenommen werden.

Eine wichtige Rolle übernahm anschließend der Simplon-Orient-Express. Er nutzte die 1919 eröffnete Verbindung durch den Simplontunnel und führte von Paris über Lausanne, Mailand und Venedig in Richtung Balkan und Istanbul. Diese südlichere Route umging Deutschland und Österreich.

In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich der Orient-Express beziehungsweise das System verschiedener Orient-Express-Verbindungen erneut zu einem internationalen Luxusprodukt.

Die goldenen Jahre des Art déco

Die 1920er- und 1930er-Jahre gelten als eine der großen Blütezeiten des Orient-Express.

Die CIWL investierte in neue Wagen und eine noch luxuriösere Ausstattung. Besonders bekannt wurden die Pullman-Salonwagen mit ihren Art-déco-Innenräumen. Künstler und Designer wie René Prou und René Lalique prägten die Gestaltung dieser Wagen. Glas, Holz, Metall und Textilien wurden zu einem Gesamtkunstwerk kombiniert.

Der Orient-Express war nun nicht mehr nur ein Transportmittel. Er wurde zu einem Symbol für eine moderne, kosmopolitische Lebensweise.

Die Reise selbst wurde zum eigentlichen Luxus.

Agatha Christie: Mord im Orient-Express

Agatha Christies Roman „Mord im Orient-Express“ erschien 1934 erschien. Darin ermittelt Hercule Poirot in einem eingeschneiten Zug, während sich unter den Reisenden ein Mörder befindet.

Christies Geschichte verband genau jene Elemente, die den Orient-Express bereits umgaben: Luxus, internationale Reisende, abgeschlossene Räume, unterschiedliche Nationalitäten, Geheimnisse und eine Reise durch eine winterliche europäische Landschaft.

Der Zweite Weltkrieg verändert Europa – und den Zug

Der Zweite Weltkrieg unterbrach den internationalen Luxusverkehr erneut. Grenzen wurden geschlossen, Strecken waren unterbrochen und Europa wurde politisch und militärisch geteilt.

Nach dem Krieg kehrten die internationalen Zugverbindungen langsam zurück. Der Orient-Express konnte jedoch nicht mehr an seine frühere Bedeutung anknüpfen.

Die politische Teilung Europas erschwerte den internationalen Verkehr. Gleichzeitig veränderte sich die Gesellschaft. Flugzeuge wurden schneller und zunehmend erschwinglich, während der Luxuszug seine wirtschaftliche Grundlage verlor.

Das Ende des klassischen Orient-Express

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Eisenbahn ihren exklusiven Charakter. Flugreisen wurden zum neuen Symbol internationaler Mobilität.

Der Orient-Express existierte zwar weiterhin unter verschiedenen Bezeichnungen und auf unterschiedlichen Strecken, doch die legendäre Verbindung Paris–Istanbul gehörte zunehmend der Vergangenheit an.

Am 20. Mai 1977 fuhr der klassische Orient-Express zum letzten Mal direkt von Paris nach Istanbul. Damit endete eine fast hundertjährige Ära.

Der Name Orient-Express verschwand allerdings nicht sofort aus den Fahrplänen. Verschiedene Zugverbindungen führten die Bezeichnung noch einige Jahrzehnte weiter. Der Mythos war zu diesem Zeitpunkt aber längst größer als der tatsächliche Zugbetrieb.

Der Orient-Express wird zum Mythos

Aus einem Schienenprojekt des 19. Jahrhunderts wurde zunächst ein internationales Verkehrsmittel. Daraus entstand ein Luxusprodukt, anschließend ein Symbol der europäischen Gesellschaft und schließlich ein literarischer und filmischer Mythos.

Der Orient-Express steht heute für eine Epoche, in der eine Zugreise noch ein gesellschaftliches Ereignis war. Die Fahrt dauerte mehrere Tage, Grenzen mussten überquert werden und die Reisenden verbrachten ihre Zeit gemeinsam in Speise- und Salonwagen.

Ist der Orient Express verschwunden?

Der Orient-Express verschwand nie wirklich. Nach dem Ende des regulären Betriebs begannen private Unternehmen, historische CIWL-Wagen zu sammeln und zu restaurieren.

Besonders bekannt wurde der Venice Simplon-Orient-Express. Ab 1982 wurden historische Wagen aus den 1920er- und 1930er-Jahren wieder für luxuriöse Nostalgiefahrten eingesetzt. Damit wurde aus dem ehemaligen Verkehrsmittel ein rollendes Museum und zugleich ein exklusives Reiseprodukt.

Die Reaktivierung Orient-Express bleibt eine europäische Idee

Der historische Orient-Express war letztlich ein Produkt des europäischen Eisenbahnzeitalters, und das wollen wir wieder haben. Bringt den Orient-Express zurück!

Die Geschichte der Nachtzüge

Die Geschichte der Nachtzüge ist eng mit der Entwicklung der modernen Mobilität verknüpft. Sie erzählt von technischem Fortschritt, gesellschaftlichem Wandel und wechselnden Reisegewohnheiten – von luxuriösen Rollhotels des 19. Jahrhunderts bis zu ihrer heutigen Renaissance als Alternative zum Flugverkehr.

Die Anfänge im 19. Jahrhundert

Mit dem rasanten Ausbau der Eisenbahnnetze in Europa, Nordamerika und Teilgebieten von Asien (Orient und Indien) entstand früh der Wunsch, auch längere Strecken effizient zu überwinden. Tagsüber zu reisen bedeutete jedoch Zeitverlust – besonders für Geschäftsleute. Die Idee, die Nacht zur Fortbewegung zu nutzen, lag daher nahe.

Pionierarbeit leistete der Belgische Bahnunternehmer Georges Nagelmackers (1845-.1905). Inspiriert von amerikanischen Schlafwagen entwickelte Nagelmackers in den 1870er-Jahren ein europaweites Netz komfortabler Nachtzüge. 1872 gründete er die Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL), die schnell zum Synonym für luxuriöses Reisen wurde.

Die goldene Ära der Luxus-Nachtzüge

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlebten Nachtzüge ihre erste Blütezeit. Legendäre Verbindungen verbanden europäische Metropolen und machten die Reise selbst zum Erlebnis.

Berühmt wurde vor allem der von der CIWL betriebene Orient Express, der ab 1883 Paris mit Konstantinopel, dem heutigen Istanbul verband. Der Orient Express bot einen Komfort, der dem eines Grandhotels entsprach: Es gab Speisewagen, Schlafabteile und geschultes Servicepersonal.

Auch andere berühmte Züge prägten die goldene Ära:

  • Nord Express (Paris – St. Petersburg)
  • Train Bleu (Paris – Côte d’Azur)

Nachtzüge wurden zu einem Symbol für Eleganz, Internationalität und technischen Fortschritt. Sie verbanden Europas Städte und Kulturen bis zum Bahnhof Sirkeci, der Endstation des Orient Express in Konstantinopel.

Weltkriege zerstören Nachtzüge

Die beiden Weltkriege unterbrachen die Entwicklung der Nachtzüge. Infrastruktur wurde zerstört, internationale Verbindungen eingestellt. In der Zwischenkriegszeit kehrte der Nachtzugverkehr zwar teilweise zurück, blieb aber politisch und wirtschaftlich instabil.

Nach dem Zweiter Weltkrieg lag das europäische Schienennetz in Trümmern. Erst mit dem Wiederaufbau begann eine neue Phase.

Nachtzüge nach dem Krieg (1950–1980)

In der Nachkriegszeit wandelte sich der Nachtzug grundlegend: weg vom Luxusprodukt hin zum Verkehrsmittel für breite Bevölkerungsschichten. Schlaf- und Liegewagen wurden standardisiert, internationale Verbindungen systematisch organisiert.

Ein wichtiger Schritt war die Einführung des TEE (Trans Europa Express) und der Ausbau des entsprechenden Netzes sowie der Harmonisierung der Bahnsysteme. Die internationale Kooperation der Bahnen ermöglichte zahlreiche Nachtverbindungen quer durch Europa.

Typisch für die Nachkriegszeit:

  • Liegewagen für preisbewusste Reisende
  • Schlafwagen für mehr Komfort
  • breite Nutzung durch Touristen und Gastarbeiter

Nachtzüge waren nun fester Bestandteil des europäischen Alltagsverkehrs.

Nachtzug-Konkurrenz durch Auto und Flugzeug (1980–2000)

Ab den 1980er-Jahren gerieten Nachtzüge zunehmend unter Druck. Zwei Entwicklungen waren entscheidend:

  1. Motorisierter Individualverkehr: Das Auto verdrängte den Schienenverkehr
  2. Luftverkehr: Billigflieger reduzierten Reisezeiten drastisch

Viele Bahngesellschaften stellten Nachtverbindungen ein, da sie als unrentabel galten. Komfort und Service wurden reduziert, was die Attraktivität weiter minderte.

In Deutschland verschwanden zahlreiche Nachtzüge schrittweise, bis die Deutsche Bahn 2016 ihr eigenes Nachtzugangebot vollständig einstellte.

Der Wendepunkt: Nachtzüge aus Österreich

Ein entscheidender Moment für die Geschichte der Nachtzüge war die Rolle der ÖBB, der Österreichischen Bundesbahn. Sie übernahm einen Großteil der eingestellten deutschen Nachtzugverbindungen und entwickelte daraus das moderne Nightjet-System. Was die ÖBB leistete:

  • Ausbau statt Abbau des Netzes
  • Investitionen in neue Wagen
  • klare Markenstrategie

Während andere Länder ausstiegen, wurde Österreich zum Zentrum des europäischen Nachtzugverkehrs.

Nachtzug-Renaissance im 21. Jahrhundert

Seit den 2010er-Jahren erleben europäische Nachtzüge eine erfreuliche Wiederbelebung. Mehrere Faktoren spielen dabei zusammen:

Zug statt Flug

Flugreisen geraten zunehmend in die Kritik. Nachtzüge gelten als klimafreundliche Alternative, da sie deutlich weniger CO₂ ausstoßen.

Kostenersparnis und Zeitgewinn

Nachtzüge sparen Hotelkosten und Tageszeit

Neue Anbieter

Neben der ÖBB traten neue Nachtzug-Anbieter auf:

  • European Sleeper (Niederlande)
  • Snälltåget (Schweden)

Politische Unterstützung

Die Europäische Union fördert grenzüberschreitenden Bahnverkehr, wodurch neue Projekte entstehen.

Moderne Nachtzüge: Komfort und Konzept

Heutige Nachtzüge kombinieren klassische Elemente mit modernen Anforderungen:

  • Schlafwagen mit Hotelstandard
  • Liegewagen für günstiges Reisen
  • Sitzwagen als Basisoption

Neue Zuggenerationen bieten:

  • private Mini-Kabinen
  • WLAN und Steckdosen
  • modernes Design

Der Nachtzug wird wieder als eigenständiges Reiseerlebnis verstanden – nicht nur als Transportmittel.

Nachtzug-Herausforderungen der Gegenwart

Trotz der Renaissance stehen Nachtzüge vor strukturellen Problemen:

  • unterschiedliche nationale Bahnsysteme
  • begrenzte Trassenkapazität
  • hoher Investitionsbedarf für Wagenmaterial

Auch wirtschaftlich bleibt der Betrieb anspruchsvoll, da Nachtzüge personalintensiv sind.

Chancen für die Nachtzug-Renaissance

Nachtzüge haben Aufstieg, Niedergang und Wiedergeburt erlebt. Ihr Erfolg hängt heute davon ab, ob es gelingt, Komfort, Wirtschaftlichkeit und internationale Zusammenarbeit dauerhaft zu vereinen. Die Voraussetzungen dafür besser als noch vor einem Jahrzehnt – die Nachtzug-Nachfrage wächst.

Das sanfte Rattern der Schiene gehört wieder zum Reiseerlebnis.

Aber die Störungen?

„Aufgrund einer technischen Störung im Betriebsablauf wird Ihr Zug heute 30 Minuten später eintreffen“. Was Bahn-Pendler zur Weißglut bringt, sorgt bei Schlafwagen-Fahrgästen nur für ein Schulterzucken.

Also liebe Bahn, setzt auf Wero und probiere das Konzept doch einfach mal aus. Und schaff wieder Schlafwagen an!

Was kostet ein Schlafwagen in der Anschaffung?

Vergleich der Anschaffungskosten für Eisenbahnwaggons:

  • Sitzwagen: etwa 1–2 Mio. €
  • Liegewagen: etwa 1,5–2,5 Mio
  • Schlafwagen: ca. 2–4 Mio. €

Standard oder Luxus?

  • Ein Standard-Schlafwagen moderner Bauart kostet etwa 2-3 Mio
  • Ein Luxus-Schlafwagen mit eigenen Duschen kostet etwa 3-4 Mio

Die Kostenfaktoren

Warum Schlafwagen etwas teurer sind:

  • Abteile mit Betten und teils eigenen Sanitäranlagen
  • aufwendige Technik (Klima, Wasser, Brandschutz)
  • geringere Platzkapazität pro Wagen
  • hohe Anforderungen für den internationalen Einsatz (Zulassung, Sicherheit)

Infos zu den europäische Nachtzuglinien

Hier sind ein paar Informationen zu den Nachtzuglinien von Nightjet, European Sleeper und Snälltåget:

Nightjet-Linien (ÖBB)

Nightjet – Übersicht aller Verbindungen
Änderungen vorbehalten! Aktuelle Informationen auf Nightjet.


Nachtzüge Hauptlinien

🇦🇹 Österreich ↔ 🇩🇪 Deutschland / 🇳🇱 Niederlande / 🇧🇪 Belgien

  • Wien – Linz – Brüssel
  • Wien – Linz – Zürich
  • Wien – Feldkirch – Bregenz
  • Graz – Feldkirch – Zürich

🇦🇹 Österreich ↔ 🇩🇪 Deutschland

  • Wien – Hamburg
  • Wien – Berlin
  • Wien – Köln
  • Graz – Berlin

🇩🇪 Deutschland ↔ 🇦🇹 Österreich / 🇨🇭 Schweiz

  • Hamburg – Wien / Innsbruck / Zürich
  • Berlin – Zürich
  • Berlin – Wien / Graz
  • Stuttgart / München – Venedig

🇩🇪 Deutschland ↔ 🇳🇱 Niederlande

  • München / Innsbruck – Amsterdam
  • Wien / Innsbruck – Amsterdam

🇮🇹 Nachtzüge nach Italien

Hauptstrecken Italien

  • Wien – Florenz – Rom
  • Wien – Bologna / Ancona
  • München – Rom
  • München / Stuttgart – Venedig

Wichtige Ziele Italien

  • Florenz
  • Rom
  • Venedig
  • Bologna

🇨🇭 Nachtzüge in die Schweiz

Verbindungen Schweiz

  • Zürich – Wien
  • Zürich – Graz
  • Zürich – Berlin / Hamburg

🇧🇪 🇳🇱 Nachtzüge nach Belgien & Niederlande

Verbindungen Belgien & Niederlande

  • Wien – Brüssel
  • Wien / Innsbruck – Amsterdam
  • Deutschland – Amsterdam

🇭🇷 Nachtzüge nach Kroatien (EuroNight mit Nightjet)

🇭🇷 Verbindungen nach Kroatien

  • Zürich / München / Stuttgart – Zagreb
  • Wien / Graz – Split (saisonal)

🇦🇹 🇩🇪 🇨🇭 🇮🇹 🇳🇱 🇧🇪 🇭🇷 Wichtige angebundene Städte

🇦🇹 Österreich

  • Wien
  • Salzburg
  • Linz
  • Graz
  • Innsbruck

🇩🇪 Deutschland

  • Hamburg
  • Berlin
  • Köln
  • München
  • Stuttgart

🇨🇭 Schweiz

  • Zürich
  • Basel

🇮🇹 Italien

  • Rom
  • Florenz
  • Venedig
  • Bologna

🇳🇱 Niederlande

  • Amsterdam
  • Utrecht

🇧🇪 Belgien

  • Brüssel

🇭🇷 Kroatien

  • Zagreb
  • Split

European Sleeper-Linien (Niederlande)

European Sleeper – Übersicht aller Verbindungen
Änderungen Vorbehalten! Aktuelle Informationen auf European Sleeper.


Hauptlinien

🇧🇪 Belgien ↔ 🇳🇱 Niederlande ↔ 🇩🇪 Deutschland ↔ 🇨🇿 Tschechien

  • Brüssel – Antwerpen – Amsterdam – Berlin – Dresden – Prag

🇫🇷 Frankreich ↔ 🇧🇪 🇩🇪 Deutschland

🇫🇷 🇧🇪 🇩🇪 Hauptstrecke

  • Paris – Aulnoye-Aymeries – Mons – Lüttich – Brüssel – Berlin

🇫🇷 🇧🇪 🇩🇪 Erweiterung (ab Juli 2026)

  • Paris – Brüssel – Berlin – Hamburg

🇳🇱 🇧🇪 Niederlande / Belgien ↔ 🇨🇭 Schweiz ↔ 🇮🇹 Italien

🇳🇱 🇧🇪 🇨🇭 🇮🇹 Neue Nord–Süd-Verbindung (ab Juni 2026)

  • Amsterdam / Brüssel – Köln – Bern – Brig – Domodossola – Stresa – Mailand

🇧🇪 🇳🇱 🇩🇪 🇨🇿 Wichtige Zwischenhalte

🇧🇪 Belgien

  • Brüssel
  • Antwerpen

🇳🇱 Niederlande

  • Roosendaal
  • Rotterdam
  • Den Haag
  • Amsterdam
  • Amersfoort
  • Deventer

🇩🇪 Deutschland

  • Berlin
  • Dresden
  • Bad Schandau

🇨🇿 Tschechien

  • Děčín
  • Ústí nad Labem
  • Prag

🇫🇷 🇧🇪 🇩🇪 Wichtige Zwischenhalte (Paris–Berlin)

🇫🇷 Frankreich

  • Paris
  • Aulnoye-Aymeries

🇧🇪 Belgien

  • Mons
  • Lüttich
  • Brüssel

🇩🇪 Deutschland

  • Berlin
  • Hamburg (ab Juli 2026)

🇳🇱 🇧🇪 🇨🇭 🇮🇹 Wichtige Zwischenhalte (Amsterdam–Mailand)

🇳🇱 Niederlande / 🇧🇪 Belgien

  • Amsterdam
  • Brüssel

🇩🇪 Deutschland

  • Köln

🇨🇭 Schweiz

  • Bern
  • Brig

🇮🇹 Italien

  • Domodossola
  • Stresa
  • Mailand

Snälltåget-Linien (Schweden)

Snälltåget – Übersicht aller Nachtzugverbindungen
Änderungen vorbehalten! Aktuelle Informationen auf Snälltåget.


Nachtzüge Hauptlinien

🇩🇪 Deutschland ↔ 🇩🇰 Dänemark ↔ 🇸🇪 Schweden

  • Dresden – Berlin – Hamburg – Kopenhagen – Malmö – Stockholm (snalltaget.se)
  • (teilweise) Chemnitz – Dresden – Berlin – Hamburg – Kopenhagen – Malmö – Stockholm

🇸🇪 Schweden (Binnenverbindungen und Verlängerungen)

🇸🇪 Hauptachse innerhalb Schwedens

  • Malmö – Stockholm (Teil der internationalen Nachtzüge) (snalltaget.se)

🇸🇪 Saisonale Verlängerung in den Norden

  • Malmö – Stockholm – Åre – Duved – Storlien (snalltaget.se)

🇦🇹 Österreich ↔ 🇩🇰 🇸🇪 Dänemark / Schweden (saisonal)

🇦🇹 🇩🇰 🇸🇪 Saisonale Verbindung

  • Österreich – Deutschland – Dänemark – Schweden (genaue Linienführung je nach Saison) (snalltaget.se)

Wichtige Zwischenhalte (Hauptlinie)

🇩🇪 Deutschland

  • Dresden
  • Berlin
  • Hamburg

🇩🇰 Dänemark

  • Kopenhagen

🇸🇪 Schweden

  • Malmö
  • Lund
  • Hässleholm
  • Alvesta
  • Nässjö
  • Linköping
  • Norrköping
  • Stockholm

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