Kaum ist Wero aus dem Ei geschlüpft, wird auch schon ein weiteres, zum Verwechseln ähnliches Projekt ausgebrütet: der Digitale Euro. In diesem Artikel sollen vier Fragen so weit wie möglich geklärt werden:
- Was ist der Digitale Euro?
- Was sind die Unterschiede zwischen Digitalem Euro und Wero?
- Was sind die Vorteile des Digitalen Euro?
- Was sind die Nachteile des Digitalen Euro?
Was ist der Digitale Euro?
- Der Digitale Euro ist eine geplante, digitale Form der europäischen Gemeinschaftswährung, also des Euro.
- Der Digitale Euro ist Zentralbankgeld, das von der Europäischen Zentralbank ausgegeben wird.
Wo ist der Unterschied zum Giralgeld?
Jetzt fragen sich die Bürgerinnen und Bürger natürlich: Wo ist da der Unterschied zum Giralgeld, auch Buchgeld genannt? Das Geld, das auf meinem Konto meines privaten Geldinstituts liegt, also meiner Sparkasse, Volksbank, oder Commerzbank, liegt ja auch nicht in Scheinen gebündelt im Keller dieser Bank?
Die Antwort: Der Digitale Euro ist eine Forderung.
Der Digitale Euro ist eine Forderung wie Bargeld
Der Digitale Euro stellt für seinen Besitzer eine Forderung gegenüber der Zentralbank dar. Damit bietet der Digitale Euro dieselbe Sicherheit wie Bargeld.
Um den Unterschied ein bisschenh besser zu verstehen:
- Wenn Sie noch DM besitzen, können Sie diese bei der nächsten Filiale der Deutschen Bundesbank eintauschen. Sie haben eine Forderung gegenüber der Zentralbank, bzw. deren Ableger Deutsche Bundesbank,
- Ihre Hausbank ist dagegen nicht verpflichtet, Ihnen die DM umzutauschen. Sie besitzen dazu keine Forderungen
Der Digitale Euro ergänzt Bargeld
Ziel des Digitalen Euro ist es nicht, Bargeld zu ersetzen. Der Digitale Euro soll aber Bargeld ergänzen und insbesondere im digitalen Zahlungsverkehr zum Einsatz kommen.
Der Digitale Euro funktioniert auch offline
Der Digitale Euro soll sowohl online als auch offline funktionieren und für verschiedene Szenarien eingesetzt werden können. Bei den Zahlungs-Szanarien, und das ist jetzt ziemlich verwirrend, ist der Digitale Euro fast deckungsgleich mit Wero:
- Überweisungen zwischen Privatpersonen.
- Einkaufen im Laden vor Ort (Einzelhandel)
- Einkaufen im Onlineshop (Einzelhandel)
Ein Unterschied steht in den Klammern: „Einzelhandel“. Im Einzelhandel sind die Transaktions-Beträge nämlich niedriger als im Großhandel. Der Digitale Euro ist nicht für die hohen Summen des B2B-Geschäfts konzipiert.
Der Digitale Euro ist noch in der Entwicklungsphase
Das Projekt befindet sich aktuell noch in der Entwicklung. Die Einführung des Digitalen Euro wird frühestens 2029 erwartet.
Was sind die Unterschiede zwischen Digitalem Euro und Wero?
Der Digitale Euro und Wero verfolgen beide das Ziel, die europäischen Zahlungssysteme zu stärken. Ihre Ansätze sind aber unterschiedlich.
Grundlegender Unterschied
- Der Digitale Euro ist Zentralbankgeld (staatlich garantiert)
- Wero ist ein privates Zahlungssystem auf Basis von Bankkonten
Während der Digitale Euro direkt von der Zentralbank bereitgestellt würde, basiert Wero auf bestehenden Bankeinlagen und wird von privaten Banken organisiert.
Technische und funktionale Unterschiede
- Der Digitale Euro soll unabhängig von bestehenden Strukturen funktionieren
- Der Digitale Euro soll auch offline funktionieren
- Wero nutzt die bestehende Infrastruktur und ermöglicht schnelle Transaktionen zwischen Bankkonten
- Für den Digitalen Euro ist der Aufbau einer neuen Infrastruktur notwendig
Strategische Rolle
- Der Digitale Euro soll die monetäre Souveränität Europas stärken und eine staatlich garantierte digitale Zahlungsform schaffen
- Wero soll eine europäische Alternative zu internationalen Zahlungsanbietern darstellen und den Handel von hohen Zahlungsgebühren entlasten
Ein weiterer Unterschied liegt im Entwicklungsstand: Wero ist bereits in ersten Ländern im Einsatz, während der Digitale Euro noch in Planung ist.
Tabelle: Digitaler Euro vs Wero
| Digitaler Euro | Wero | |
|---|---|---|
| Herausgeber | Europäische Zentralbank | Private Banken |
| Geldart | Zentralbankgeld | Private Bankeinlagen |
| Sicherheit | Sehr hoch | Hoch |
| Funktionsweise | Digitales Zahlungsmittel | Zahlungsart |
| Offline-Zahlung | Geplant | Nicht geplant |
| Infrastruktur | Neu aufzubauen | Bestehende Bankinfrastruktur |
| Zielsetzung | Ergänzung zu Bargeld, Souveränität Europas | Souveränität Europas |
| Entwicklungsstand | In Vorbereitung | Teilweise verfügbar |
Fazit zum Vergleich
Der Digitale Euro ist ein neues Geldsystem, während Wero ein modernes Zahlungssystem innerhalb des bestehenden Geldsystems darstellt. Beide könnten sich ergänzen, stehen aber teilweise auch in Konkurrenz.
Was sind die Vorteile des Digitalen Euro?
Der Digitale Euro wird mit mehreren Vorteilen verbunden.
Stärkung der europäischen Souveränität
Ein Vorteil ist, wie bei Wero, die Verringerung der Abhängigkeit von internationalen Zahlungsanbietern. Der Digitale Euro könnte dazu beitragen, ein eigenständiges europäisches Zahlungssystem aufzubauen.
Hohe Sicherheit
Da es sich um Zentralbankgeld handelt, wäre der Digitale Euro besonders sicher. Nutzer hätten eine direkte Forderung gegenüber der Zentralbank, ähnlich wie bei Bargeld.
Akzeptanz im gesamten Euro-Raum
Der Digitale Euro soll im gesamten Euro-Raum einsetzbar sein und damit ein einheitliches Zahlungsmittel für alle Mitgliedstaaten darstellen.
Offline-Fähigkeit
Ein besonderes Merkmal ist die (geplante) Möglichkeit, auch ohne Internetverbindung zu bezahlen. Dies würde den Digitalen Euro widerstandsfähiger gegenüber technischen Störungen machen.
Datenschutzoptionen
Geplant sind Mechanismen, die ein hohes Maß an Privatsphäre ermöglichen, insbesondere bei Offline-Zahlungen, die ähnlich anonym wie Bargeld sein könnten.
Finanzielle Inklusion
Der Digitale Euro könnte Menschen ohne klassischen Zugang zu Bankdienstleistungen eine Teilnahme am digitalen Zahlungsverkehr ermöglichen.
Digitaler Euro – die Nachteile
Wie bei allen Großprojekten gibt es natürlich auch Kritikpunkte und offene Fragen.
Die Banken müssen die Kosten tragen
Wero ist eine private Intiative, deren Kosten von den Privatbanken getragen und über die Händlergebühren wieder eingespielt werden. Beim Digitalen Euro sieht die Sache anders aus. Der Digitale Euro wird möglicherweise hohe Implementierungskosten für die Banken verursachen.
Zu wenig Vorteile, zu hoher Aufwand
Es stellt sich die Frage, welche zusätzlichen Vorteile der Digitale Euro überhaupt bietet.
Konkurrenz zu bestehenden Lösungen
Da bereits zahlreiche digitale Zahlungsmethoden existieren, besteht die Gefahr von Doppelstrukturen. Der Digitale Euro könnte Funktionen bereitstellen, die bereits durch Wero abgedeckt sind.
Risiken für den Bankensektor
Ein weit verbreiteter Digitaler Euro könnte dazu führen, dass Einlagen von Geschäftsbanken zur Zentralbank abwandern, was das Geschäftsmodell von Privatbanken beeinflussen könnte.
Datenschutzbedenken
Obwohl Datenschutz vorgesehen ist, gibt es Bedenken, dass digitale Transaktionen grundsätzlich leichter nachvollziehbar sein könnten als Bargeldzahlungen. Einige Kritiker warnen vor möglicher zentraler Überwachung von Zahlungsströmen.
Technische Herausforderungen
Die Umsetzung, insbesondere bei Offline-Zahlungen und Sicherheit, ist komplex und noch nicht vollständig gelöst.
Unklare wirtschaftliche Auswirkungen
Die langfristigen Effekte auf Handel, Banken und das gesamte Finanzsystem sind noch nicht abschließend geklärt. Es bestehen Unsicherheiten hinsichtlich Anreizen, Kostenverteilung und Nutzung.
Mythos Bargeld
Zum Abschluss noch eine kleine Bemerkung zum Mythos Bargeld.
Geld ist geprägte Freiheit
Fjodor Dostojewski in: „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“ (1861/62)
Zum Hintergrund dieses berühmtren Zitats: Dostojewski wurde fast 10 Jahre nach Sibirien verbannt, Physisches Geld, also Münzen, ermöglichte ihm als Sträfling ein Stück Selbstbestimmung .
160 Jahre nach Dostojewski gilt Bargeld immer noch vielen als letzte Bastion der Freiheit. Es klimpert oder raschelt in der Tasche und verspricht Unabhängigkeit – von Banken, von Technik, von Kontrolle. Doch dieser Mythos gilt im digitalen Zeitalter nur noch für Münzen. Der Kreislauf der Banknoten lässt sich heute nämlich immer genauer nachverfolgen.
Bargeld wird ständig kontrolliert
Schlechte Nachricht für Bankräuber und Automatensprenger: Auch Bargeld ist längst Teil eines hoch technisierten Systems. Alle Geldscheine tragen eine individuelle Nummer und diese Nummer wird bereits bei der Ein- und Ausgabe an Geldautomaten registriert. Auch an anderen Stellen werden Banknoten durch Maschinen erkannt, sortiert und teilweise nachverfolgt. Bargeld ist also keineswegs so „unsichtbar“, wie oft angenommen.
Bankraub lohnt sich nicht mehr
Für Bankräuber wird es zunehmend schwerer, die Beute wieder in Umlauf zu bringen. Falls Sie schon einmal an diese Art des Geldbeschaffung gedacht hatten, würde ich Ihnen abraten.

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